Rezension: Wächter und Wölfe – Das Ende des Friedens

Autor: Anna Stephens
Originaltitel: Godblind
GB 2017

Erster Band (The Godblind Trilogy)
512 Seiten
Verlag: Blanvalet
Genre: Grimdark Fantasy

ISBN: 978-3-7341-6130-8
Erschienen: Januar 2018 (dt.)
Übersetzer: Michaela Link

Zum Buch

Inhalt

Krieg wird kommen, Verrat wird lähmen, Tod wird herrschen …

Dom ist ein Seher, doch seine Gabe ist mehr Fluch als Segen, denn seine Visionen sind ungenau und körperlich auszehrend. Da begegnet er der geflohenen Sklavin Rillirin. Sie warnt ihn und sein Volk vor einer Invasion der Barbaren. Aber kaum jemand glaubt ihr. Da ereilt Dom eine Vision von erschreckender Klarheit. Er muss Rillirin vertrauen und den Klan der Wächter und Wölfe auf den Krieg vorbereiten, sonst wird nicht nur er sterben, sondern sein ganzes Volk.

»Es kommt von den Bergen. Ich muss es holen. Den Schlüssel holen. Die Botschaft. Den Herold?« […] »Es ist, als … es ist, als würde sich dort oben ein Sturm zusammenbrauen. Es wird eine Warnung geben, bevor der Sturm losbricht, aber nur, wenn ich rechtzeitig dort bin.«

Seite 37

Aufmachung

Die deutsche als auch die englische Version des Covers schaffen eine wunderbar dunkle Atmosphäre, die absolut zu dem Inhalt passt. Dabei sind die dazugehörigen Titel sehr treffend, wobei das Original noch einmal mehr durch Titel als auch Untertitel The Red Gods are rising (dt. Die Roten Götter erheben sich/steigen auf) in Verbindung mit dem detailreichen Cover das Interesse des Lesers weckt und man im Deutschen erneut einen seltsamen, langen Doppeltitel hatte wählen müssen, dessen Bandtitel nicht alleine stehen kann und leider zu sehr ankündigt, was geschehen wird, wenngleich es lediglich eine Übersetzung des englischen Untertitels ist.

Trotz des blutigen Aspektes der Umschlaggestaltung, könnten die dargestellten Totenschädel jedoch zu der Annahme einer anderen Geschichte führen, welche sich mehr in die Richtung einer Piratengeschichte bewegen mag, zumal Schädel keine explizit symbolische Rolle in diesem Werk belegen.

Zum besseren Verständnis gibt es eine angehem zu lesende Karte – ebenfalls in der Übersetzung.

Eigene Meinung

Eine interessante Beschreibung und ein blutig-düsteres englisches Cover haben mich auf dieses Buch gebracht und war es absolut kein Fehlgriff, sondern ein Auftakt, der mich neugierig auf mehr gemacht hat.

Nach beinahe tausend Jahren der Verbannung scheint es als wäre die Zeit gekommen, dass die Roten Götter wieder ihre Macht zurückerlangen, so meint die Gesegnete Lanta des Volkes der Mirak. Gleichzeitig möchte auch sie ihre Position erheben. Dass die entflohene Sklavin Rillirin den vorherigen König umbrachte und nun ein für Lantas Zwecke nützlicher Nachfolger den Thron besteigt, kommt ihrer Sache sehr nützlich. Währenddessen braut sich etwas Dunkles in der Hauptstadt des angrenzenden Reiches zusammen. Truppen versammeln sich und außer dem Seher Dom, bekannt unter Calestar, sieht niemand, was kommen wird.

»Jedes Jahr leistet Ihr den Roten Göttern Euren Eid, geheiligt mit Eurem eigenen Blut, und Ihr versprecht ihnen Ruhm und die Rückkehr in die warmen Ebenen, schwört ihnen, dass Ihr ihnen die rechtmäßige Herrschaft über alle Seelen in Gilgoras zurückgeben werdet. Und jedes Jahr versagt Ihr.« Ihr Tonfall wurde zu einem sanften Flüstern. »Und so haben uns die Götter das Werkzeug ihrer Rückkehr erwählt.«

Seite 9

Schon früh hat mich dieses Buch mit seiner ganz eigenen Art gefangen genommen, trotz dass es sich um keinen für mich mitreißend poetischen Schreibstil handelt. In einem, verglichen mit ähnlichen Büchern dieses Genres, recht rasant werdenden Tempo, das der Handlung jedoch nicht die Tiefe nimmt, gestaltet Anna Stephens den Debüt-Auftakt ihrer neuen Trilogie und beginnt eine Erzählung, die viel Potential verspricht. Dabei greift sie auf die Erzählung aus verschiedenen Perspektiven zurück. Mittels der kurz gestalteten und des sehr abwechslungsreichen Figurenwechsel wird einerseits stets der Spannungsfaden aufrechterhalten, sodass sich das Lesen als ein sehr rasches Erlebnis herausbildet, der Leser zunehmend gefesselt wird, und die teils unterschiedlichen Sichtweisen einer Situation sich zu einem komplexen Bild verweben, das den diversen Kampf eines jeden Einzelnen nachfühlen lässt. Andererseits kann es auch vorkommen, dass die partiell knappen Kapitel den Lesefluss abreißen. Nachdem ich das Buch zum zweiten Mal gelesen habe, fiel mir die Wahl der Vielzahl an Figuren, welche die Kapitel tragen, negativ auf. Vielleicht mag es daran liegen, dass ich nicht neu und ohne jegliches Wissen, mag es noch so tief vergraben sein, an diese Lektüre herangegangen bin, sodass sich kein Problem der anhaltenden Verwechslung der Charaktere ergab. Eher hat es mich gestört, alle Sichten und Geschehnisse beinahe sofort zu kennen und eine zu große Anzahl an kurze Szenen zu erleben, welche wie ein Film wirken, der zu viele Schnitte und Handlungsträger bestitzt.

Mit Fortschreiten des Buches, steigern sich die Kämpfe und Schlachten, dominieren die Handlung und heizen diese zu einer dunkeln, düsteren und bedrohlichen Atmosphäre an, die den Leser gefangen nimmt, sofern dieser nicht mit anderen Beschreibungen von Schlachten vertraut ist, welche die Gedanken anregen und das Chaos, die Gewalt und Komplexität eines Kampfes vor dem inneren Auge mit vielen Details abspielen lassen. Auffällig sind hierbei zuweilen die blutigen und drastischen Szenen, so kann man sich schnell in einem detaillierten Kampfgeschehen zwischen beiden Geschlechtern wiederfinden oder der Folterung als Opfer für die Roten Götter, wenngleich die bloße Erwähnung von Schmerz, Tod, Sex und ähnlichen Themen nicht sofort zu Grimdark führt, ein Buch nicht unbedingt grausam oder düster werden lässt, sondern genauso gut herausgenommen werden könnte und nichts ändern würde. Die Welt hätte durchaus grundlegender vertieft werden können, denn beschränkt sich die Handlung überwiegend auf die mehr oder minder skizzenhafte Beschreibung der Hauptstadt Rilporin und die Situation um die Westgrenze und dem dortigen Gilgoras-Gebirge mit dem Kampf zwischen Rilpor und Mirak. Ebenso ist der Blick auf die Götter ein noch weiterstgehend eingeschränkter, da man auf der Seite der Roten Götter und denen des Lichtes lediglich jeweils zwei Vertreter kennenlernt – die anscheinend einzigen. Möglicherweise sind dies zwei Elemente, die in den folgenden Teilen tiefer beleuchtet werden. Zudem gibt es wenig Überraschung, zumal ein zwielichtig wirkender und von Beginn an Skepsis erweckender Mensch tatsächlich ein solcher ist, weshalb sein Verrat jeder Zeit absehbar ist. Manche Pläne wirken so unbedacht und flach, zu wenig Tiefe steckt hinter Worten, sodass man nicht mehr dahinter zu sehen scheint. Dennoch kann man eine gute Entwicklung im Verlaufe des Buches sehen, einerseits bezüglich des Schreibstiles, welcher zwar in Teilen weiterhin unnatürliche und gestellte Dialoge enthält, aber durchaus flüssiger zu lesen ist, andererseits im Rahmen einer spannenderen Handlung. Die Hoffnung ist groß, dass die Autorin ihr Potential und jenes ihrer Erzählung ausschöpft.

»Der Schleier kann nur durch Blut zerrissen werden: Seen und Flüsse von Blut. Wir werden es alle vergießen, wenn wir unsere Götter nach Gilgoras zurückführen. Unser Blut und heidnisches Blut, vermischt, um den Boden zu ehren, damit er ihrer heiligen Existenz würdig ist. Wir werden siegen, ihr und ich«, rief sie, »und die Roten Götter, die wahren Götter, werden sehr zufrieden sein.«

Seiten 10-11

Stephens bietet ein breitgefächertes Spektrum an Charakteren und konzentriert sich dabei auf die Betrachtung des Inneren. Während das Äußere blass bleibt, was für so manchen Leser ein Manko darstellen könnte, charakterisieren sich die Figuren durch eine ausgebaute Persönlichkeit und damit verbundenen Erinnerungen, die geschickt in die Handlung eingewoben werden und ein Bild von großer Diversität auf vielen Ebenen schaffen. Doch sind manche erzählenden Personen weitaus eingehender gezeichnet als andere, was nicht unbedingt einen großen Schwachpunkt darstellt, aber sie mehr hervorhebt und dahingehend bedeutungsvoller erscheinen lässt, weshalb man sich zunehmend wundert, weshalb bei all dem Tod und tatsächlich Abschlachten von Menschen keiner der tragenden Figuren sein Leben lässt. Und was ist mit der Gabe von Crys geschehen, welche in den ersten Kapitel das Vorhandensein von Magie unter Sterblichen angedeutet an, ohne dass später darauf in eingegangen wurde.

Fazit

Resümierend ist diese kurzweilige Lektüre ein vergleichsweise gelungener Einstieg und mit seiner Vielfältigkeit, vor allem bezüglich der Charaktere und der angedeuteten Welt, regt sie zu mehr an. Ich bin gespannt die Entwicklungen im Folgeband zu erfahren, sofern diese andere Seite offenbaren, und hoffentlich tiefer in das von Stephens geschaffene Universum eintauchen zu können. Mit der Ankunft der Roten Götter werden die Worte noch mehr vor Blut triefen, was nicht für jeden Leser ein Vergüngen ist.


3/5 ★

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