Rezension: Wo das Dunkel schläft | Maggie Stiefvater

Autor: Maggie Stiefvater
Originaltitel: The Raven King
US 2016

Vierter Band (The Raven Cycle)
480 Seiten
Verlag: script5
Genre: Contemporary Fantasy/Young Adult

ISBN: 978-3-7855-8331-9
Erschienen: März 2017 (dt.)
Übersetzer: Sandra Knuffinke, Jessika Komina

Zum Buch

Inhalt

Eine beängstigende Dunkelheit hat sich über die Ley-Linien gelegt und droht, den magischen Wald Cabeswater für immer zu zerstören. Für Blue und die Raven Boys beginnt damit ein Wettlauf gegen die Zeit auf der Suche nach dem Grab des sagenumwobenen Königs Glendower. Denn wenn sie es nicht finden, wird Blues Kuss für Gansey tödlich sein. Und dieser Kuss wird für beide immer unausweichlicher …

Vor langer, langer Zeit war der jüngste Gansey-Spross von Hornissen zu Tode gestochen worden. Schon immer hatten ihm alle Türen offengestanden und selbst im Tod tat sich kurz vor dem Licht am Ende des Tunnels noch ein neuer Korridor auf. Eine Stimme hatte ihm zugeflüstert: Du wirst weiterleben, für Glendower. Jemand auf der Ley-Linie wird sterben, dem es bestimmt war zu leben, und so wirst du leben, dem es bestimmt war zu sterben

Seite 9

Aufmachung

Sowohl der deutsche als auch vor allem der originale Titel passen sehr gut zum Inhalt des Buches, doch bezüglich des Covers ist das englische wesentlich schöner anzusehen und spiegelt besser die Stimmung und kleine Details der Geschichte wider. Hätte man bei der deutschen Aufmachung Bäume anstelle von Laternen, auch wenn diese alle anders sind und die Figuren charakterisieren könnten, verwendet, wäre sie entscheidend stimmiger.

Eigene Meinung

Es dauerte gar allzu lange, bis ich zu diesem Finale griff und nun wünschte ich, es nie zur Hand genommen zu haben, da ich nicht fassen kann, dass diese Reihe schon in dieser Form ein Ende gefunden hat. 

Die Suche nach Glendower ist noch nicht beendet, doch wird es zunehmend bedeutender, ihn zu finden, denn breitet sich eine scheinbar unaufhaltsame, finstere Dunkelheit in Cabeswater aus, was nicht nur Ronan in seinen Träumen und Adam bezüglich seiner magischen Kräfte zu spüren bekommen, sondern sind auch ihre Freunde und Bekannten davon betroffen. Viele Hindernisse legen sich den Freunden in den Weg und stehen sie vor einer alles verändernden Entscheidung. 

»Sie sollen zusammenarbeiten?«, fragte Calla ungläubig.
»Das sagen die Karten«, pflichtete Maura ihr bei.
[..]
»Wir sind Menschen«, entgegnete Maura. »Ganz normale Menschen. Sie sind besonders. Adam ist an die Ley-Linie gebunden. Ronan ist ein Träumer. Und Blue verstärkt das alles.«
»Richie Rich ist ein ganz normaler Mensch«, bemerkte Orla.
»Stimmt, und er wird sterben.«

Seite 22

Was mich schon immer an dieser Reihe faszinierte, ist ihre Andersartigkeit und vor allem die in ihr vorkommenden Charaktere. Nun zu einem Ende einer solch emotionalen Reise zu kommen, ist schier unfassbar. Trotz des größeren zeitlichen Abstandes zum vorherigen Band war es ein sehr leichter Einstieg in die Geschichte, an welcher mir schlichtweg viel liegt. Kleinste, unauffällige Bemerkungen rufen die vergangen Geschehnisse subtil wieder hervor, ohne dabei störend oder erzwungen zu sein. Der Schreibstil zieht mich als Leser in den Bann, sodass ich das Vergehen von Stunden nicht bemerkte. Er ist so angenehm und schön zu lesen, beschriebene Szenen erblühen vor meinem inneren Auge, ohne zu verwirren. Düster, atmosphärisch, mitreißend, mein Herz zum rasend bringend. Man spürt selbst, wie das Dunkel, das Grauen näher kommt, erfährt den Horror der Figuren wie am eigenen Leib. Man kann die Verzweiflung aller nachvollziehen, die nur mit wenigen Worten beschrieben wird. Gewissermaßen sind Stiefvaters Schreib- und Erzählstil für mich einzigartig verglichen mit sämtlichen anderen, bisher von mir gelesenen Büchern. Gefühle sind in ihre Worte gewoben. Sie ist bezüglich dieser Reihe eine jener Autoren, die Magie in bloße Verbindungen aus Buchstaben legen kann. Manche Leser könnten jedoch durchaus Probleme mit ihrem Stil haben, ich allerdings könnte viele Bücher dieser Form lesen.

Ich erwähnte schon, dass mir die Charaktere viel bedeuten. Obwohl sie aus dritter Person beschrieben werden und man ihre Sicht somit nicht direkt erfährt, besteht doch eine feste Bindung zu ihnen und scheint man sie fast persönlich zu kennen. Man möchte sie weiter kennenlernen, man bangt um sie, hofft mit ihnen. Es ist erstaunlich, wie Stiefvater es schafft, dass man sofort merkt, wer im nächsten Kapitel genauer betrachtet wird, da es kleinste Unterschiede in der Art des Erzählens zu geben scheint, was mir auch schon in den vorherigen Bänden aufgefallen ist (sofern ich es mir nicht einbilde). Nur wäre es schön, wenn man mehr über die Nebenfiguren erfahren könnte, zumal sich alles auf die Hauptcharaktere konzentriert, und zum Schluss offene Fragen bezugnehmend auf andere bestehen bleiben, da ihre Geschichten mitten in einem großen Ereignis enden, aber vielleicht ist das offen Gelassene auch gut, kann man sich doch erdenken, was möglicherweise geschehen sein mag. 

Die Zeit hier folgte ihrem ganz eigenen Lauf. Ein Tag an der Aglionby war wie eine Montage von Bildern, die keine Rolle spielten, und Gespräche, die sofort wieder verpufften. In den Schobern verbracht, entfaltete sich derselbte Tag dagegen mit träger Opulenz und bot viermal so viele Möglichkeiten. […] Die Stunden nahmen sich alle Zeit, die sie brauchten.

Seite 36

Die Geschichte an sich ist schlichtweg fesselnd und bewegend mit vielen Höhepunkten und Emotionen. Sie mag womöglich nicht die extraordinärste sein, was ihren Verlauf betrifft, aber macht sie die Art, in welcher sie erzählt wird, zu etwas ganz Besonderen. Es stecken derart viel Tiefe und Vielseitigkeit in den Figuren und ihren Beziehungen untereinander, wodurch sie absolut real wirken. Hierzu spielt auch der Aspekt, dass selbst die Charaktere anmerken, wie das normale Leben weniger Realität ist – ganz das Gefühl, welches mich ergreift, wenn ich in eine absolut faszinierende Lektüre eingetauche. 

Fazit

Schlussendlich ist es ein brillanter Abschluss einer eindrucksvollen Reihe, die mir stets in Erinnerung bleiben wird. Dass ich jemals die Hauptfiguren vergesse, ist eine Sache des Unmöglichen. Wenn ich träumen möchte, brauche ich lediglich mich lediglich an all die Bilder zu erinnern, die dieses Buch in mir hervorgerufen hat. Wie liebend gern ich träume. 


4,5/5 ★

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