Rezension: Die Beschenkte | Kristin Cashore

Autor: Kristin Cashore
Originaltitel: Graceling
USA 2008

Erster Band (Graceling Realm)
494 Seiten
Verlag: Carlsen
Genre: Low Fantasy/Young Adult

ISBN: 978-3-5515-8210-2
Erschienen: September 2009 (dt.)
Übersetzer: Irmela Brender

Zum Buch

Inhalt

Lady Katsa wird überall gefürchtet, denn sie hat die Gabe des Tötens. Doch sie ist es leid, ständig als Racheengel eingesetzt zu werden – und als sie dem geheimnisvollen Prinzen von Lienid begegnet, schöpft sie Hoffnung, mit ihrer Gabe auch Gutes bewirken zu können. Der Prinz fasziniert Lady Katsa. Außerdem scheint er genau wie sie ein Beschenkter zu sein. Schon bald verbünden sich die beiden, um gemeinsam in den Kampf zu ziehen und nicht nur das …

Einmal hatte sie unabsichtlich getötet, eine Erinnerung, die sie sich immer wieder bewusstmachte. Damals, vor zehn Jahren, hatte sich angekündigt, worin ihre Gabe bestand.

Seite 15 (Leseprobe)

Aufmachung

Der Titel passt sowohl im Englischen als auch im Deutschen ausgezeichnet zum Inhalt, doch sind die englischen Cover wesentlich ansprechender und detailreicher als das deutsche, welches sehr schlicht gehalten ist und zahlreichen Büchern dieses Genres aus jener Zeit gleicht. Dennoch würde ich nicht unbedingt nach einer der Ausgaben greifen, da sie kein Interesse in mir wecken. Zumindest gehen sie nicht an der Geschichte vorbei.

Zur Unterstützung der Geschichte gibt es eine Karte, die ebenfalls ins Deutsche übernommen wurde.

Eigene Meinung

Seit einer sehr langen Zeit hatte ich dieses Buch im Blick. Man hörte überwiegend gute Kritik, doch leider schien es im Buchregal zu verstauben. Ich wünschte, ich hätte es schon eher gelesen, doch gleichzeitig war es gut, endlich wieder eine Abwechslung zu den immer gleichen, den Markt überschwemmenden Jugendbüchern zu haben.

Katsa, seither am Hof ihres Onkels, dem König der Middluns, lebend, von allen gefürchtet, ist eine Beschenkte. Ihre Gabe verhieß nie etwas Gutes, von dem Augenblick ihres ersten Auftretens an, denn ist sie das Töten. Sobald Katsa alt genug war, bekam sie Aufträge, vermeintliche Widersacher des Regenten zu bestrafen und erlangte somit einen gefürchteten Ruf. Doch begann sie an der Richtigkeit dieser Aufträge zu zweifeln und gründete den Rat, welcher im Geheimen agiert. Als sie einen alten Mann aus dem Land Lienid befreit und nach dem Grund seiner Entführung forscht, offenbart sich eine folgenschwere Vermutung.

Der Rat würde ihr empfehlen, ihn zu töten. Der Rat würde sagen, sie bringe alle in Gefahr, wenn sie einen Mann am Leben ließ, der ihre Identität kannte. Aber dieser Mann war anders als jeder Gauner, dem sie je begegnet war. […]
Sie konnte nicht einen Lienid töten, während sie einen anderen rettete.

Seite 21 (Leseprobe)

Kristin Cashore führt den Leser mit einem angenehmen Schreibstil in eine faszinierende neue und zugleich seltsam vertraute Welt. Schon zeitig fällt auf, dass der Grundgedanke und Charakter sich von anderen unterscheidet, denn ist dieses Buch mit all seiner Vielseitigkeit nicht typisch. So sind beispielsweise die Gaben nicht flach und einfach gestrickt, sondern auf ihre Art und Weise außergewöhnlich. Sie sind nicht eindimensional, vielmehr kommen immer wieder neue Seiten auf. Neben den Gaben ist auch die Welt an sich interessant, wobei leider etwas fehlt. Zu Beginn werden alle notwendigen Hintergrundinformationen aufgezählt, dann wird jedoch fast nichts mehr zu den einzelnen Ländern – die Kultur oder Traditionen, das allgemeine Wesen – erwähnt, außer einen äußerst bedeutenden Aspekt zu der Bedeutung der Ringe der Lienider, den ich so bisher noch nicht antraf.

Zudem handelt es sich bei der Handlung um eine, die mit Spannung und Überraschungen auftritt, Handlungswendungen und Opfern, die man vielleicht nicht erwartet hätte. Sie erscheinen greifbar und realistisch. Nicht nur die Entwicklung der Geschehnisse über einen angemessenen und schlussendlich erstaunlich langen Zeitraum haben mich überzeugt, sondern auch das Alter der Charaktere, wodurch sie authentischer und reifer wirken, was auch in ihren Taten zu sehen ist. An sich mochte ich die Personen dieser Geschichte. So die Protagonistin Katsa mit einem konfliktreichen, vielschichtigen und sich durchaus entwickelnden Charakter, die sich mit ihren Handlungen auseinandersetzt und für ihre Vorstellungen einsteht. Es ist so schön ihre kindliche Faszination und Freude an alltäglichen Dingen zu sehen, Momente, in denen sie etwas vollkommen Neues in der Natur und anderen Ländern entdeckt. Sie trägt nicht nur einen Wesenszug, hingegen zeigt sich Tiefe in dem Gegensatz ihrer guten und schlechten Eigenschaften, der Wildheit und der Wärme. Sie nahezu ergänzend ist der Lienid Bo. Zwar weiß man schon von Anfang an, welche Rolle der eine geheimnisvolle Mann im Dunkel der Nacht spielen wird, sodass manches leider überflüssig erscheint, und ist Bo gekennzeichnet durch seine klassische Sanftmütigkeit, aber stört es nicht, zumal sich die Beziehung zwischen diesen beiden Figuren entwickelt und nicht falch oder erzwungen bestehen bleibt. Man spürt, wie etwas entsteht und nicht plötzlich auftaucht. Andere Personen haben auch ihren Reiz durch ihre ganz eigenen Wesensmerkmale.

Sie würde nicht töten, wenn es nicht sein musste. Einen Mord konnte man nicht wieder rückgängig machen, und sie hatte genug getötet. Meistens für ihren Onkel. König Randa hielt sie für nützlich.

Seite 14 (Leseprobe)

Trotz allem empfand ich die Welt als befremdlich leer. Einerseits liegt dies den wenigen Menschen zugrunde, die die Charaktere antreffen oder eben genau nicht, andererseits ist es die Reihe von Ereignissen zufälliger Begegnungen, die vieles vereinfachen. Überdies sind es die großen Geheimnisse, die mit recht simplen Schlussfolgerungen aufgedeckt werden können, weshalb sich mir die Frage stellte, warum es niemand anderes bisher erfahren hatte. An letzter Stelle verlieren die handelnden Personen einst wichtige Dinge zu schnell wieder aus den Augen.

Fazit

Mein Fazit ist, dass dieses Buch bezüglich der Gaben und auch der Charaktere seit Langem wieder ein einzigartiges Jugendbuch ist, das all die guten Stimmen verdient hat. Obschon mir manche Dinge negativ auffielen, unterhielt es mich sehr gut, vor allem durch seinen Humor, der mir einmal unwillkürlich Tränen in die Augen trieb. Am meisten hebt es sich durch seine größtenteils auftretende Realistik hervor und macht es Lust auf einen weiteren Band.


3/5 ★


Es sei anzumerken, dass diese Rezension seit nun beinahe drei Jahren auf meinem Desktop versteckt war und lediglich in Erscheinung tritt, da ich in letzter Zeit zu wenige Bücher gelesen oder rezensiert habe.

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