Rezension: The Queen of Nothing | Holly Black

Autor: Holly Black
USA 2019

Dritter Band (The Folk of the Air)
320 Seiten
Verlag: Little Brown Books
Genre: Low Fantasy/Young Adult

ISBN: 9780316310420

dt. Titel: Elfenthron
Übersetzer: Anne Brauner

Zum Buch
Zum Buch (deutsche Ausgabe)

Inhalt

An die Macht zu kommen ist einfacher, als an der Macht zu bleiben – das weiß keiner besser als Jude. Zwar ist sie die neue Elfenkönigin, doch König Cardan hat sie verraten und ins Exil geschickt. Um ihrer Schwester Taryn zu helfen, deren Leben in Gefahr ist, kehrt Jude nun an den Hof der Elfen zurück, entschlossen, ihre Position zurückzuerobern und Cardan nie wieder in ihr Herz zu lassen. Doch am Hof ist nichts mehr, wie es war. Ein Krieg braut sich zusammen und Jude gerät sofort zwischen die Fronten. Als ein mächtiger Fluch entfesselt wird, muss sie sich entscheiden zwischen ihren ehrgeizigen Plänen und ihrer Sterblichkeit …

I am suited to the shadows, to the art of knives and bloodshed and coups, to poisoned words and poisoned cups. I never expected to rise as high as the throne. And I fear that I am utterly unsuited for the task.

Seite 231

Aufmachung

Wie schön und überaus passend die Titel und Cover dieser Reihe doch sind. Von den Details auf dem Schutzumschlag, wobei die Schlange dieses Mal tatsächlich eine Rolle spielt, auch wenn ihre Farbgebung nicht ganz stimmig mit der Beschreibung im Buch ist, über die kleinen Zeichnungen zu Beginn eines jeden Kapitels bis hin zum Titel. Doch im Endeffekt verrät das Cover dezent viel.

Eigene Meinung

Nachdem ich den ersten Band beendet hatte, hätte ich mir nicht vorstellen können, die Reihe in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum zu beenden. Eher wäre es wahrscheinlich gewesen, dass die Bücher lange unbeendet in meinem Regal stände. Trotz allem haben mich die Bände wohl in ihren Bann gezogen.

Ihr Exil scheint endlos zu sein. Nach all den Jahren in Elfhame ist Jude die normale Welt der Menschen fremd, obwohl sie sie eigentlich lieben müsste. Von einem Moment auf den anderen hat Cardan ihr die Macht entzogen, nach welcher es ihr verlangte. Nun ist sie gefangen, rastlos, bis ihre Schwester ihr eine Möglichkeit gibt, ihre Situation grundlegend zu verändern.

Opening the window, I sit at Taryn’s desk and sip nettle tea, drinking in the sharp salt scent of the sea and the wild honeysuckle and the distant breeze through fir trees. I take a deep breath, at home and homesick all at the same time.

Seite 58

Während der ersten Kapitel regten sich einerseits Aufregung und andererseits genervte Langeweile in mir. Wieder einmal ist die wunderbare Schwester Taryn ein Handlungsdrehpunkt, eine Anregung für Jude. Ich bevorzuge es bei Büchern, welche sich zu einer Trilogie oder ähnlich Kurzem schließen, zumeist, dass die Handlung ein homogenes Ganzes ergibt, dass einzelne Bände lediglich existieren, um die Geschichte in einzelne Stücke zu untergliedern, welche weniger erdrückend in ihrer Länge sind und die man dementsprechend besser verarbeiten kann. Bei dieser Reihe habe ich jedoch vielmehr den Eindruck, dass Anfang und Ende als auch eventuell sehr grobe Stücke der Geschichte zu Beginn geschaffen wurden und die Handlung erst für jedes Buch individuell, beinahe alleinstehend in Erscheinung getreten ist. Auch wenn es einzelne Fäden gibt, die sich durch die drei Bände ziehen, sind diese oftmals trüb und formen kein komplexes Netz aus vergangenen Geschehnissen und deren Auswirkungen über einen längeren Zeitraum. Oftmals schlägt Jude einen Weg ein, von welchem aus sie keinen Ausweg finden könnte, bis ihr eine andere Figur eine Hand für neue Aktionen reicht. In diesem Falle geschieht es durch eine beinahe willkürliche, äußerst konstrurierte, wie aus dem Nichts kommende Handlung ihrer Schwester, um Jude eine Gelegenheit zu geben, zurück in die Welt der Feen zu gelangen, wobei die Tat ihrer Schwester und dessen Bedeutung alsbald in Vergessenheit geraten.

Dennoch sind die Seiten bis zur Hälfte des Buches rasant verflogen und habe ich mich nicht von der simplen, aber dennoch in einigen Aspekten interessanten und manchmal sogar überraschenden Handlung entnervt gefühlt, ganz im Kontrast zu meinem Empfinden bezüglich des zweiten Bandes. Dies mag im flüssigen Schreibstil begründet sein, ebenso liegt es an der Abwesenheit sich häufender Wiederholungen bezüglich der Ereignisse vorheriger Bücher, die nur als kleine Randbemerkung auftreten oder geschickt in eine Konversation mit einer außenstehenden Person eingebunden sind. Es gibt in dieser Reihe wahrlich viele Punkte, die ich liebend gern detaillierter ausgebaut gesehen hätte, wie beispielsweise Judes Training zur Spionin im ersten Band. Die Bücher könnten so viel mehr sein, Etwas, das fasziniert, wenn sie sich unter anderem mehr Zeit lassen würden. In gewissen Momenten fühlt es sich lediglich wie ein Abarbeiten bestimmter, notwendiger Szenen ohne große Ausschmückungen an.

»No, I won’t help you. No, I won’t hear you explain why I should. It really is a magical word: no. You say whatever bullshit you want, and I just say no.«

Seite 37

Nach der Hälfte gerät das Buch jedoch in eine andere Stimmung, da nach einer unvermeidlichen Verbindung zwischen Jude und Cardan als auch Worten der Klärung, die Handlung sehr absehbar ist. Obschon Cardan etwas Unerwartes zustößt, das man jedoch aufgrund der sich ansammelnden Warnungen und Offenbarungen in Verbindung mit den Werken Grimsens absehen kann, spürt man, in welche Richtung sich das Buch bewegen wird. Vor allem das letzte Drittel fühlt sich wie eine unnötige Verlängerung mit wenig intensiven Kampfszenen an, die man nicht als derartigen Horror wahrnimmt wie Jude es zu Beginn beschreibt, und Herausforderungen, welche keine wahrhaftigen sind, würde jemand nur die Augen öffnen, und deren Ende man als Leser mit Leichtigkeit vorhersagen kann.

Jude ist eine Figur, die ich erneut mit Begeisterung als Nebenfigur begrüßen würde, obwohl ihre Fähigkeiten und Taten mehr Glaubwürdigkeit in diesem Finale bekommen, abgesehen von den beeindrucken Akten gewagter Kletterkunst während ihr Körper in Fetzen liegt. Gewiss gab es in ihrer Vergangenheit, die ihren Worten nach oftmals wie mehrere Jahre zurück liegt, Situationen, die Cardan zu keiner vertrauensvollen Person gemacht haben, aber dennoch habe ich ihn stets als solche nach den ersten Wendungen im Auftakt wahrgenommen. Jude hingegen ist meist zutiefst, nervenaufreibend skeptisch und misstrauisch ihm gegenüber, was an sich weniger problematisch wäre, würde sie nicht sämtlichen anderen Figuren ihr Vertrauen mit rasch verschwindendem oder gar nicht erst vorhandenem Zögern schenken. Ab einem bestimmten Punkt, dachte ich mir nur, dass sie beide endlich zusammenkommen sollen, Jude Cardans verquere Art der Liebe begreift, damit wir den holprigen, erzwungenen Zusammenschluss hinter uns haben und sie in die von Anfang an erwartete traumhafte Liebesbeziehung übergehen, welche in diesem Band jedoch etwas besser und nachvollziehbarer ausgebaut ist, unter anderem durch kleine subtile Gesten.

I can’t help thinking of Cardan’s silence when I asked if he liked that I was afraid. A part of him will always delight in cruelty. Even if he had changed, he could change again.

Seite 172

Allgemein begeistern mich die vielen Charaktere nicht außerordentlich, da sie alle auf ihre Art sehr ähnlich sind. Gibt es eine dunkle oder grausame Figur, wird ihr ein vergebungswürdiges Motiv beziehungsweise ein Grund für ihre Persönlichkeit gegeben. Cardan bekommt eine tiefere Hintergrundgeschichte, Verräter erlangen eine Entschuldigung, sofern sie auf der Seite Judes stehen. Und die Antagonisten sind keine greifbare oder ernstzunehmende Bedrohung.

Fazit

Zusammenfassend ist es wohl ein gelungener, schnelllebiger Abschluss, der durchaus seine Schwächen hat, aber auch Überraschungen in sich trägt, trotz der vielen Hinweise, die dem Leser schnell eine Ahnung der nachfolgenden Geschehnisse geben, wie beispielweise die Wiederholung eines bestimmten Satzes wie es schon im Vorband üblich war („someone already betrayed you“). Eigentlich stehe ich der Reihe im Endeffekt nicht mit Begeisterung gegenüber, trotz dessen wird sie in mancher Hinsicht gut in meiner Erinnerung bleiben, schlichtweg aufgrund der magischen Elemente, meiner Schwäche für das Elfenvolk und den wunderbaren äußerlichen Beschreibungen.


3/5 ★

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