Rezension: Das Reich der zerbrochenen Klingen | Anna Smith Spark

Autor: Anna Smith Spark
Originaltitel: A Court of Broken Knives
USA 2017

Erster Band (Empire of Dust)
528 Seiten
Verlag: Knaur (TB)
Genre: Grimdark/Dark Fantasy

ISBN: 978-3-426-52280-6
Erschienen: Juli 2019 (dt.)
Übersetzer: Kerstin Fricke

Zum Buch

Inhalt

Das einst mächtige Kaiserreich von Sekemleth wird von Dekadenz und Verfall bedroht; verfeindete Adelige streiten um die Vorherrschaft, und dazu ist ihnen jedes Mittel Recht: Der einflussreiche Fürst Orhan Emereth, der den Thron des Reiches mithilfe einer Söldnerarmee an sich reißen will, ahnt nicht, dass sich unter den gekauften Kriegern ein ganz besonderer junger Mann befindet: Marith ist nicht nur auf der Flucht vor seiner Vergangenheit, sondern auch vor seinem mächtigen Vater, der ihn tot sehen will.

Die Hochpriesterin Thalia, die im Staat eine sehr angesehene Position einnimmt, hat den Tempel, in dem sie regelmäßig die Opferungen leitet, noch nie verlassen. Doch als das Gemetzel des Staatsstreiches beginnt, muss Thalia aus dem Tempel des „Herrn über Leben und Sterben“ fliehen, um dem sicheren Tod zu entkommen. Sie trifft auf Marith, der ihr zusichert, sie lebendig aus der Stadt herauszuschaffen. Gemeinsam werden sie schon bald zu Schlüsselfiguren im Spiel um die Macht.

Das Licht schimmerte um ihn herum, der Sand wie poliertes Silber, die Luft klar wie Glas. Eines Tages, dachte er. Eines Tages wird alles brennen, und es wird kein Leben mehr geben.

Seite 35

Aufmachung

Cover mit Schwestern und Silouetten epischer Kämpfer mögen wohl viele Leser anziehen, die sich in diesem Genre bewegen. Auch wenn das deutsche Cover nach wiederholtem Betrachten etwas viel ist, so hat es mich doch schlussendlich das Buch beginnen lassen, nachdem die schlichte, aber überaus treffende Orginialversion in meinem Bücherregal verstaubte.

Beide Titel (weshalb kann es nicht immer ungefähr eine Übersetzung des englischen Titels sein?) passen gut zum Inhalt und gibt es sogar eine eigentlich hilfreiche Karte, die in der deutschen Edition jedoch leider nicht übernommen wurde, obwohl sie durchaus hilfreich ist.

Eigene Meinung

Aufgrund einer Veranstaltung, bei welcher Autoren über Fantasy (vor allem Grimdark) und ihre Erfahrung bezüglich des Schreibens gesprochen haben, bin ich auf diese Reihe aufmerksam geworden. Allzu lange wollte ich den ersten Band beginnen, bis ich schlussendlich nach der deutschen Edition griff.

Eine Gruppe von Söldnern begibt sich auf den Weg nach Sorlost, jener prächtigen Stadt, die einst das Zeichen des Reichtums des Goldenen, nun mehr Gelben Landes war. Ihr Ziel ist ein Attentat, welches das Land grundlegend verändern wird, doch ist dies nicht ihre Sorge. Einzig allein zählt die Ausbeute, wobei der neue Rekrut Marith zunehmend ins Licht rückt und offenbart, dass wesentlich mehr hinter ihm steckt. Der Vergangenheit kann man nicht entkommen.

Genau genommen konnte ich mir nicht recht vorstellen, was ich von diesem Buch erwarten solle. Nachdem die Autorin über ihr Werk sprach und es zudem stets in Begleitung mit der Inhaltsbeschreibung kommt, meinte ich, mich auf ein sehr düsteres Buch vorbereiten zu können. Jedoch ist Sein nicht das Gleiche wie Wollen.

Er sieht dem Sterben gebannt zu. Diese Schönheit. Das Schönste, was er je erblickt hat. All das Töten und so eine vollkommene Freude. Sein Herz quillt über. Es frohlockt. Das, oh ja, das ist es, wofür alle Männer geboren werden.

Seite 13

Von Beginn an hatte ich Probleme mit dem Schreibstil – eine wahrhaftig volle Ansammlung aus Ellipsen und den Wörtern Tod, Blut und Scheiße. Selbst nach gut 100 Seiten konnte ich mich nicht an diesen gewöhnen, zumal es sich selbst zum Schluss oftmals wie eine Aneinanderreihung von Regieanweisungen oder Stichpunkten anfühlt, die man schlichtweg durch Satzzeichen voneinander getrennt oder verbunden hat. Normalerweise liebe ich Ellipsen, aber hierbei habe ich mich stets schwer getan, erneut in die Geschichte einzusteigen und diese Lektüre tatsächlich zu beenden. Liest man über einen längeren Zeitraum, kommt zu einer höheren Seitenzahl und achtet nicht allzu sehr darauf, gerät man tatsächlich in den Fluss des Lesens, bis wieder einmal das Wort Tod auftaucht, um einen zu verdeutlichen, wie dunkel dieses Buch doch sein mag (mir ist durchaus bewusst, dass dies der Betonung und teils dem Wahnsinn heraus geschieht). Gefühlt sieht man es beinahe auf jeder zweiten Seiten und sobald dies geschieht, verbreitet es sich wie Löwenzahn – kurz erblüht und plötzlich überall. Das Buch soll zu sehr Grimdark sein. Würde es nicht darauf anspielen, wäre es authentischer. Es stecken viele Möglichkeiten im Schreibstil der Autorin, sodass ich gespannt auf zukünftige Bücher bin, doch müssen diese ganz simpel reifen. Bisher stechen die zahlreichen Metaphern und philosophischen Anmerkungen immens heraus und stehen unnatürlich in der Erzählung. Ebenso ist es der begründete, aber dennoch etwas willkürlich wirkende Wechsel zwischen personellem und Ich-Erzähler in Betrachtung des gleichen des Charakters. In einem Moment betrachtet man ihn von außen, im nächsten Kapitel erzählt er selbst ohne Grund.

Hinzu kommt eine Geschichte, die im Endeffekt nicht sonderlich bedeutend ist. Eher möchte eine Idee umgesetzt werden, die wahrlich erst im Folgeband eine Rolle spielt, doch zuvor muss diese selbstverständlich eingeleitet oder zumindest mit einer Geschichte verwoben werden. Somit nimmt man die Hauptgeschichte als sehr lose und ohne viel Konsistenz wahr. Eine Geschichte, in welcher die Hauptfiguren den Nebenfiguren helfen, ohne dass es spannend als auch Interesse weckend ist. Ihre Handlungen scheinen nie einen fühlbaren Impakt zu haben. Es ist schon bewusst, welche Auswirkungen die Geschehnisse haben werden, aber ist es mir ziemlich gleichgültig gewesen, zumal es in Anbetracht der Länge des Buches nicht viele waren.

Warum müssen wir sterben oder ziehen in Kriege,
Des Lebens Sinn … Alles eine Lüge!
Tod! Tod! Tod!

Seite 11

Ein entscheidender Grund für mein Desinteresse dafür sind auch die handelnden Figuren. Ihr Charakter zeichnet sich durch sprunghaften Wechsel aus, sodass man nie direkt weiß, was man nun von ihnen halten, wie man sie einschätzen soll. Lediglich für einen kurzen Moment fühlte ich mich einer Figur näher und die Betonung mag auf kurz liegen. Die Protagonisten und andere Figuren haben durchaus Potential und könnten interessant sein, vielleicht weiß man im zweiten Band endlich, wie sie sein sollen ohne aufgezwungene Persönlichkeit. Hingegen ist es häufig nur offensichtlich, welche Rolle sie in welcher Art zu spielen haben. So seltsam es klingen mag, hat jede Figur ein Profil zugeschrieben bekommen, ohne in der Tat dazu zu passen. Der Protagonist Marith ist, wie stets von vor allem anderen betont wird, ein schlechter Mensch, ein Monster, verdorben, aber kann ich nicht sehen, was genau sie sofort dazu bewegt hat, zumal sie auch nicht gerade eine weiße Weste tragen. In Verbindung mit Marith werden Sucht und Abhängigkeit behandelt, was manchmal in Vergessenheit gerät und nicht gut greifbar ist, und eine Begründung geben, ihn als böse sowie schlecht zu bezeichnen, in Abwesenheit der Gedanken an die Wehrlosigkeit von Abhängigen in vielen Fällen. Ja, es gibt außer ihm noch weitere Personen, aber sie alle haben keinerlei Eindruck bei mir hinterlassen, da sie nicht herausragend sind. Damit meine ich definitiv nicht, dass jeder eine besondere Schneeflocke sein sollte, sondern wünsche ich mir, mit den Figuren zu fühlen, sie nachvollziehen zu können oder das Verlangen zu haben, mehr über sie zu erfahren, mehr Charakter zu sehen. Mit anderen Trägern der Handlung hätte man die angesprochene Kehrseite der Menschen und des Lebens ebenso wie die intensiven Beschreibungen von Orten wahrscheinlich besser wahrgenommen.

Fazit

Resümierend habe ich wohl doch viel von diesem Auftakt erwartet. Eine düstere Welt, die einen gefangen hält, das Herz schneller schlagen lässt. Was ich bekommen habe ist etwas, das mich nichts fühlen lässt bezüglich der Figuren und der Geschichte. Es ist für mich weder düster noch schockiert es mich. Es ist weder überraschend oder spannend noch einzigartig. Es sind schlichtweg Worte, die ich gelangweilt zu Kenntnis nehme.

2/5 ★

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