Rezension: Wen der Rabe ruft | Maggie Stiefvater

Autor: Maggie Stiefvater
Originaltitel: The Raven Boys
USA 2012

Erster Band (The Raven Cycle)
464 Seiten
Verlag: script5
Genre: Contemporary Fantasy/Young Adult

ISBN: 978-3-8390-0153-0
Erschienen: Oktober 2013 (dt.)
Übersetzer: Sandra Knuffinke, Jessika Komina

Zum Buch

Inhalt

Jedes Jahr im April empfängt Blue die Seelen derer, die bald sterben werden, auf dem verwitterten Kirchhof außerhalb ihrer Stadt. Bisher konnte sie sie nur spüren, nie sehen – bis in diesem Jahr plötzlich der Geist eines Jungen aus dem Dunkel auftaucht. Sein Name lautet Gansey, und dass Blue ihn sieht, bedeutet, dass sie der Grund für seinen nahen Tod sein wird.

Seit Blue sich erinnern kann, lebt sie mit der Weissagung, dass sie ihre wahre Liebe durch einen Kuss töten wird. Ist damit etwa Gansey gemeint?

Wenn Blue ihre wahre Liebe küsste, dann würde dieser Junge sterben.
Lange Zeit ließ die Warnung Blue keine Ruhe. Ja, konkret war sie schon, aber eben auf eine Art, wie es auch Märchen waren. Sie enthüllte nicht, wie der Junge sterben würde. Oder wie lange er nach dem Kuss noch zu leben hatte.

Seiten 10-11 (Leseprobe)

Aufmachung

Sowohl das deutsche als auch das englische Cover sind sehr schön, wobei ich den Titel im Original »The Raven Boys« als passender empfinde, obwohl man hinter dem Raben rufen auch die Raven Boys verstehen kann. Dafür ist das deutsche Cover mit dem Blick in einen Wald sehr passend, der Rabe eventuell auf dem Original auch (in Hinblick auf die Fortsetzung vor allem). Interessant ist auch, dass man die „Raven Boys“ in der Taschenbuch Edition sehen kann.

Eigene Meinung

Ich trat an dieses Buch unweigerlich mit großen Erwartungen heran, denn bisher habe ich nur Gutes über die »Raven Boys«-Reihe gehört, dennoch wusste ich absolut nichts über den Inhalt, bis ich die Beschreibung las und man hatte denken können, es handele sich um eine vom Schicksal zum tragischen Ende geweihte Liebesgeschichte. Glaubt man den Inhaltsangaben, denn dieses Buch, war absolut anders.

Der Beginn der Geschichte leitet einen schon sehr schnell in den schönen Schreibstil von Maggie Stiefvater und zeigt Sarkasmus und andere Passagen, über die man schmunzeln muss, welche auch noch im Folgenden zu lesen sind. Es ist auch endlich einmal ein Buch, zu welchem diese auflockernden Stellen gut passen und die auch als Witz funktionieren. So lässt sich alles so schön lesen. Die Magie des Buches spürt man schon fast in dem Stil von Maggie Stiefvater. Zugleich schafft sie aber auch eine sehr seltsame Stimmung, die mich über die Mitte des Buches erfasst hat. Es ist schwer zu beschreiben, nur das einem gleichzeitig wohl und unglaublich unwohl zumute ist.

Als sie sich wieder umdrehte, war Gansey vollkommen verschwunden. Im nächsten Moment spürte Blue, wie die Wärme in ihre Haut zurückkehrte, doch irgendwo hinter ihren Lungen blieb etwas Eisiges zurück. Ein gefährlicher, trauriger Sog schien sich in ihrem Inneren zu bilden: Kummer oder Bedauern.

Seite 26 (Leseprobe)

Das könnte auch durchaus an der Story liegen, die sich in vielen Dingen sehr von anderen Geschichten unterscheidet und die wahrhaftig etwas Außergewöhnliches ist. Von einer solchen Idee hatte ich bisher noch nie gehört, obwohl man denken könnte, dass sie wie jede andere ist. Es gibt mehrere unerwartete Wendungen, doch zudem einen Grundaufbau, den man schon aus anderen Werken kennt, sodass manches doch nicht ganz so unerwartet ist. (Warum musste diese eine Stelle genau so kommen? So typisch?)

Was anders ist, sind die Charaktere, die mir alle durchweg sympathisch sind, denn niemand ist perfekt, jeder hat seine zu ihm passenden Fehler. Man bekommt sie alle so schön vor Augen gezeichnet mit einer Tiefe und Durchdachtheit, die auch von der Story her dem ganzen Buch zu Gute zu schreiben ist. Es ist möglich die Personen auch trotz dem Erzähler in der dritten Person kennenlernen. Nur ein Mal wusste ich nicht, von wem gesprochen wird, aber ansonsten wird es allein durch die leicht differenzierte Schreibweise nach den ersten Sätzen klar. Das gelingt wirklich nur selten. Jedoch fand ich die Kapitel über Barrington Whelk ein bisschen störend. Es hätte dem Buch eventuell noch mehr Spannung gegeben, wäre erst zum Schluss alles über ihn aufgeklärt worden, vielleicht.

Was mich jedoch zum Ende hin, den letzten hundert Seiten, unglaublich nervte, waren Wiederholungen. Fällt es einem erst auf, kann man es nicht mehr übersehen. Ich habe mir gemerkt, dass es SIEBEN Jahre waren und auch andere Kleinigkeiten müsste man x-mal wiederholen, so kam es mir zumindest vor.

Fazit

Alles in allem mochte ich das Buch schon allein aufgrund seiner Andersartigkeit und der Tatsache, dass nicht gleich alles wieder »Friede, Freude, Eierkuchen« ist. Ich werde definitiv weiterlesen, was wohl am etwas holprigen, aber offenen Ende liegt und natürlich aufgrund des Gefühls, dass die Geschichte erst ein kleiner Teil von etwas sehr Großem ist.

4/5 ★


Es sei anzumerken, dass ich diese Rezension ursprünglich (ich habe ein paar kleine Änderungen vor allem bezüglich der Zeitformen vorgenommen) zu Beginn des Jahres 2016 verfasst habe und handelt es sich um eine meiner ersten Rezensionen. Sie erscheint auf dieser Seite lediglich aus Gründen der Vollständigkeit, da ich den finalen Band erst vor kurzer Zeit gelesen, aber meine Meinung in einer Rezension zusammengefasst habe.

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