Rezension: The Midnight Star | Marie Lu

Autor: Marie Lu
USA 2016

Dritter Band (The Young Elites)
316 Seiten
Verlag: G.P. Putnam’s Sons Books
Genre: Dark Fantasy

ISBN: 9780399167850

dt. Titel: Die Herrschaft der Weißen Wölfin
Übersetzer: Sandra Knuffinke, Jessika Komina

Zum Buch
Zum Buch (deutsche Ausgabe)

Inhalt

Adelina ist endlich an ihrem Ziel angelangt: Sie sitzt auf dem Thron von Kenettra. Ihre Herrschaft als Weiße Wölfin ist grausam. Erbarmungslos rächt sie sich an ihren Widersachern.
Als jedoch eine Gefahr auftaucht, die das Leben aller Begabten bedroht, ist Adelina gezwungen, mit ihren Feinden zusammenzuarbeiten. Mit der verhassten Gemeinschaft der Dolche macht sie sich auf eine riskante Reise, um sich selbst, ihre Schwester und ihr Königreich zu retten. Doch die widerwillig geschlossene Allianz und Adelinas stetig zunehmende innere Dunkelheit scheinen die Mission zum Scheitern zu bringen …

I will wake a hundred times, lost in the madness of this nightmare, until the sunlight streaming through my windows finally burns the scene away. Even then, hours later, I cannot be sure I am not still in my dream.
I am afraid that, one night, I will never wake. I will be doomed to rush to that door over and over again, running from a nightmare in which I am always, forever, lost.

Seite 2

Aufmachung

Die Reihe abschließend fügt sich der finale Band perfekt in das Bild der vorherigen Bücher ein, nicht nur durch das erneut schöne Design, sondern auch der passendenen Verbindung von Cover und Titel zum Inhalt.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich zu der deutschen Ausgabe äußern soll, zumal der Titel dieses Mal nicht vollkommen stimmig mit der Geschichte ist. Dass die dargestellte Person weiße Haare hat, ist die einzige Gemeinsamkeit zu der Protagonistin Adelina.

Eigene Meinung

Nach dem zweiten Band, welcher sich für mich leider wie aus weiter Ferne laß, da ich schlichtweg nicht in die Geschichte eintauchen konnte, zweifelte ich an dem Finale, doch war ich weiterhin interessiert. Nun könnte ich die Reihe durchaus in etwas zeitlichem Abstand erneut lesen.

Verrat und falsche Freunde, Verachtung und Unterdrückung haben ihre Vergangenheit gezeichnet. Ihre Rache ist nun ihr Sieg. Mit Grausamkeit herrscht Adelina als Königin, als der Weiße Wolf über Kenettra und hat sie die Eroberung anderer Gebiete im Sinne. Doch wendet sich ihre eigene Gabe langsam gegen sie, wie auch gegen die anderen Elites. Alle sind bedroht von einer zunehmenden Dunkelheit, dessen Quelle nicht Adelina ist. Für das Überleben aller und vor allem ihrer kleinen Schwester, müssen sich Adelina und die Rosen mit den Dolchen zusammentun.

»We were never meant to exist, Adelina,« he says. »And we will never exist again. But we cannot take the entire world with us.« He meets my gaze. »No matter how it has wronged us.«

Seiten 132-133

Wie konnte ich diese düstere Welt nur vergessen? Wie konnte ich all die Namen ausblenden? Es ist mir wahrlich ein Rätsel, wie ich nach dem Ende des zweiten Bandes nicht sofort die Fortsetzung zur Hand genommen habe, da sich Marie Lu bezüglich der Entwicklung der Protagonistin über einen Punkt hinweg wagt, den man seltener in Büchern antrifft. Als faszinierende Antiheldin trägt Adelina Amouteru die Handlung wunderbar. Sie wirkt so anders als viele bekannte Hauptfiguren durch ihre Rachegelüste, ihr konsequentes Handeln ohne Erbarmen und die Wahrheit ihrer geäußerten Worte. Oftmals erscheinen Charaktere ihrer Art als Antagonisten, welchen sich der Held gegenüber steht. In ihrem Fall zeigt sich jedoch die Entwicklung einer Figur zur dunklen Seite, zu jener, von welcher ich liebend gern mehr Geschichten lesen würde. Dabei ist ihre Grausamkeit nicht grundlos und ohne weitere Gedanken bezüglich der Vergangenheit, sodass beispielsweise andere Wege, welche günstiger in Hinblick auf die Zukunft sind, wie das Festigen des eroberten Landes, durch Magiano geäußert werde und Adelina diese nicht partout ablehnt. 

Bei Adelinas Fortgang spührt man wahrlich die Worte anderer, dass sie mittlerweile fern von jeder Hilfe sei. Oftmals werden wichtige Personen kurz vor dem Schlimmsten gerettet oder stehen schon fest auf der düsteren Seite. In dieser Trilogie sieht man einmal wie sich die Veränderung vollzieht, wie Grenzen überschritten werden, wenn es kein Zurück und kein Vergeben mehr vorhanden zu sein scheint. Man sieht die Taten und Auswirkungen nicht nur von außen, sondern erlebt sie in Verbindung mit den Intentionen und Motiven dahinter. Neben Adelina gibt es noch andere authentische Charaktere, die durchaus ihren Reiz haben, aber steht sie für mich am meisten heraus. 

»You cannot harden your heart to the future just because of your past. You cannot use cruelty against yourself to justify cruelty to others.«

Seite 232

Lus gewählte Worte erzeugen vielseitige Bilder und äußerst atmosphärische Szenen. Die Seiten sind gefüllt mit vielen schönen, bildhaften Beschreibungen, vor allem von Gefühlen in Verbindung mit zahlreichen Metaphern, wobei ein harmonisches Gefüge entsteht. Die drohende Gefahr ist spürbar und sind die tiefer gehenden Beweggründe, die Ursprünge hinter allem auf eine solche Art und Weise verfasst, dass es sich nicht nur wie Etwas plötzlich erscheinendes verhält, sondern wie eine schon lange anwesende, sich anschleichende Gefahr, lückenlos in die Geschichte verwoben. Zudem wird die Ernsthaftigkeit der Situation angenehmerweise nicht aus der Erzählung genommen, was die erzeugten Stimmungen erhält, indem schwere Worte nicht durch einen Witz aufgelockert werden müssen.

Vergleicht man den Beginn der Reise, die aufregenden Zeiten bei den Dolchen, mit der jetzigen Seriosität der handelnden Personen, wird einem erst die Wandlung bewusst, welche sie vollzogen haben und wie viel sich ändern kann. Nicht nur die Unterschiede zwischen Anfang und Ende sind deutlich hervorgehoben, sondern auch der Vergleich verschiedener Herrschaftsformen, der Art des Regierung und Loyalität. Nicht nur dies lässt das Buch realer erscheinen. Es ist sind auch die Motive der Konsequenz. Kräfte fordern ihren Preis, der Tod bedeutet Tod und ist die Rückkehr aus diesem nicht ohne Folgen. 

Fazit

Schlussendlich habe ich den Abschluss dieser andersartigen Reihe durchaus genossen, wobei ich wünschte, es gäbe noch mehr zu lesen, auch wenn das schöne und zugleich traurige Ende als solches solide, wenngleich nicht überraschend ist. Adelina wird bei mir in Gedanken bleiben, doch wahrscheinlich nicht ihre Mitstreiter und Gegenspieler. Sehr wahrscheinlich werde ich mit Freude erneut nach dieser Reihe greifen, obschon ich liebend gern mehr Seiten in einem Band vorfinden wollen würde mit mehr Ausführungen, zumal die Handlung das Potential dazu hat. 


4/5 ★

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