Rezension: The Cruel Prince | Holly Black

Autor: Holly Black
USA 2018

Erster Band (The Folk of the Air)
370 Seiten
Verlag: Little Brown Books
Genre: Low Fantasy/Young Adult

ISBN: 978-0-316-31027-7

dt. Titel: Elfenkrone
Übersetzer: Anne Brauner

Zum Buch
Zum Buch (deutsche Ausgabe)

Inhalt

Jude ist sieben, als ihre Eltern ermordet werden und sie gemeinsam mit ihren Schwestern an den Hof des Elfenkönigs verschleppt wird. Zehn Jahre später hat Jude nur ein Ziel vor Augen: dazuzugehören, um jeden Preis. Doch die meisten Elfen verachten Sterbliche wie sie. Ihr erbittertster Widersacher: Prinz Cardan, der jüngste und unberechenbarste Sohn des Elfenkönigs. Doch gerade ihm muss Jude die Stirn bieten, wenn sie am Hof überleben will …

Before, I never knew how far I would go. Now I believe the answer. I will go as far as there is to go. I will go way too far.

Seite 216 (Kindle E-Book)

Aufmachung

Das schöne Design vieler YA-Bücher ist wohl meist mein Anreiz, tatsächlich ein Buch zu kaufen, zumal die Inhaltsbeschreibung oftmals nicht aussagekräftig als auch immer gleich ist. Das Cover ist wahrlich schön anzusehen (wobei ich keine Verbindung zwischen dem Käfer und der Story sehe), ebenso ist es die niedliche Karte (es ist mir ein Rästel, was bei der deutschen Version geschehen ist), wenngleich diese nicht unbedingt notwendig für das Verständnis der Geschichte ist. Verborgen unter dem Schutzumschalg der englischen Ausgabe befindet sich zudem eine hübsche Goldprägung.

Zu der Handlung passt der Titel in seiner Mehrdeutigkeit.

Eigene Meinung

Es ist mir wahrlich ein Rätsel, weshalb ich noch nicht viele Bücher von Holly Black gelesen habe, da sie zumeist Elfen und Feen in ihren Geschichten charakterisiert. In letzter Zeit habe ich wenige Geschichten gelesen, in welchen sie eine bedeutendere Rolle spielen oder der Hauptaugenmerk sind, doch eigentlich kann ich nie Nein zu Lektüre mit ihnen als Element sagen, weshalb ich schlussendlich auch diese Reihe lesen wollte, wenngleich mich ihre Beliebtheit etwas skeptisch gemacht hat.

Judes erster Kontakt mit der Welt der Elfen ist gar kein angenehmer, eher das genaue Gegenteil, denn als Vater ihrer großen Schwester, holt sich der Elfengeneral Madoc, was rechtmäßig sein ist und verübt gleichzeitig eine Art Rache, indem er die Eltern von Jude vor ihren Augen kaltblütig ermordet. Von nun an lebt sie im Hause Madocs mit ihrer Zwillingsschwester Taryn und ihrer Halbblutschwester Vivienne. Nach zehn Jahren hat sie sich an das Leben in der Welt der Elfen gewöhnt, doch bereitet ihr das Dasein als Mensch große Schwierigkeiten, weshalb sie sich ihren Weg nach oben erkämpfen möchte, wobei sie vor schwere Entscheidungen gestellt wird.

Here is why I don’t like these stories: They highlight that I am vulnerable. No matter how careful I am, eventually I’ll make another misstep. I am weak. I am fragile. I am mortal.
I hate that most of all.
Even if, by some miracle, I could be better than them, I will never be one of them.

Seite 46 (Kindle E-Book)

Tja, was hatte ich bei einem derart populären Buch erwartet? Ich weiß es nicht. Vielleicht dachte ich, es könne eine Ausnahme wie Six of Crows sein, aber habe ich mich sehr darin getäuscht. Am Anfang ist es sehr flüssig zu lesen, aufgrund des einnehmenden Schreibstils, sodass man mehr liest ohne es zu bemerken, was vielleicht auch meinem Interesse an Elfen zugrunde liegen kann. Schon zu Beginn gibt es Anzeichen, dass es sich lediglich um eines der vielen, schnelllebigen Bücher dieses Genres handelt, eines das eventuell ohne große Tiefe ist, aber man sollte nicht zu vorschnell urteilen, wenn man ein Buch beginnt. Doch leider merkt man innerhalb kürzester Zeit, dass man sich wahrlich in einer allzu bekannten Aufstellung einer Fantasywelt befindet. Die Karte des Mobbings von Andersartigkeiten, der Machtlosigkeit dieser vor den Einflussreicheren wird wieder gezogen. Die in dieser Verbindung auftretenden Dialoge und Szenen habe ich schon dutzende Male zuvor gelesen oder gesehen, dieses Spiel mit den anscheinend Schwachen und Hilflosen. Ebenso die typisch wütende Jugendliche, welche diese Ungerechtigkeit rächen möchte und darüber trauert, was sie alles verloren hat, was sie nie wieder haben kann.

Nach einem Viertel dieses Auftaktes war ich schlussendlich sehr gelangweilt und erstaunt, welche Nichtigkeiten diesen Teil ausmachen. Gewiss muss man erst die Protagonistin und ihre Beweggründe kennenlernen als auch die Welt an sich. Zudem handelt es sich eben um ein YA-Buch mit den entsprechend jungen Charakteren und Merkmalen, über welche ich nicht mehr allzu gerne eine Geschichte lese. Jedoch gibt es nach diesem Viertel eine Veränderung, die der Geschichte mehr Schwung und interessante Aspekte bringt, aber leider fehlt es der Handlung dennoch an vielen für mich wichtigen Details und Entwicklungen. Somit wird die Veränderung des Lebens von Jude mit nur ganz kurzen und unzureichenden Szenen beschrieben, aber gut, eine Reihe dieses Genres sollte wohl nicht dutzende Bände mit jeweils 800 Seiten haben, zumal dies auch nicht heißt, dass diese Bücher dann gut und nicht nur stumpf ausschweifend wären. Wieder einmal ist es mehr ein Sagen als Zeigen, was mich überaus an Geschichten stört, und die Handlung ist mehr als vorhersehbar. Eigentlich sollten alle von überaus scharfem Verstand sein, so wird es dem Leser zumindest weisgemacht, aber die eine andere Möglichkeit, die schlussendlich auch eintrifft, wird vorher nie in Erwägung gezogen, obschon sie einem direkt ins Auge sticht.

Fearie might be beautiful, but its beauty is like a golden stag’s carcass, crawling with maggots beneath his hide, ready to burst.
I feel sick from the smell of blood. It’s on my dress, under my fingers, in my nose. How am I supposed to be worse than the Folk?

Seite 267 (Kindle E-Book)

Was mich auch gestört hat, sind die handelnden Figuren. Tiefe findet man nur in kleinen, winzigen Dosen, überschattet von flachen Charakteren und nebensächlichen Nebenfiguren, von welchen ich mich zu keinem Zeitpunkt berührt gefühlt habe (like I don’t care), sondern eher mit entnervtem Desinteresse vernahm. So vor allem bezüglich der Protagonistin, auch wenn sie eine angenehme und vielleicht sogar andersartige dunkle Seite hat und ihre aufkommende Panik und Angst bezüglich ihrer Situation und Handlungen durchaus authentisch sind, aber ist sie gerade jene starke Figur aus so vielen Jugendbüchern, welche als unfassbar klug dargestellt wird, ohne dass man es als Leser nachvollziehen oder fühlen kann, welche eine kleine, nicht eindrucksvolle Rede hält, von der jeder verblüfft ist, und dann vertraut sie trotz all der Geschehnisse in ihrer Vergangenheit anderen sehr leicht. Neben ihr gibt es den unoriginellen Cardan voller stumpfer und stupider Worte. Überraschung, er ist so grausam, weil er selbst nichts anderes kennen mag und Intrigen als auch Neid und das Verlangen nach Macht die Welt der Elfen prägen, welche ich nebenbei als sehr schön dargestellt empfinde, wohl aber liebend gern mehr zu beispielsweise den verschiedenen Höfen erfahren hätte.

Es muss gesagt sein, dass sich die Geschichte sehr leicht lesen lässt und man durchaus unterhalten sein kann. Die Beschreibungen der Umgebung und des Aussehens von Elfen und ihrer Kleidung sind magisch und wunderschön. Die Welt bietet wahrlich viel und bringen manche Dialoge Freude hervor, wenn beispielsweise ein Lächeln Antwort genug ist.

Fazit

Resümierend bin ich nicht zu enttäuscht, da ich keine speziellen Erwartungen hatte, aber es steckt deutlich mehr Potential in dieser Idee, welches nicht genutzt wurde. Für manche mag es ein wundervolles Buch sein und nachdem ich es ab und zu beiseitegelegt hatte, konnte ich es auch manchmal mit Freude lesen, sodass ich sogar die Fortsetzung beginnen möchte, in der Hoffnung, dass mehr aus den Grundlagen geschaffen, dass es mehr vom Mainstream Abstand genommen wird.


2/5 ★

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