Rezension: The Queen’s Poisoner | Jeff Wheeler

Autor: Jeff Wheeler
USA 2016

Erster Band (The Kingfountain)
334 Seiten
Verlag: 47North
Genre: Low Fantasy

ISBN: 978-1503953314

dt. Titel: Königsfall – Die Geisel
Übersetzer: Johann Birken

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Zum Buch (deutsche Ausgabe)

Inhalt

Seit Jahrhunderten befindet sich Königsfall im Krieg mit seinen Nachbarn, und auch im Inneren des Reiches herrschen Intrigen und Kämpfe. König Severn, so munkelt man, tötete sogar seine eigenen Neffen, um an die Macht zu gelangen. Verrat bestraft er augenblicklich mit dem Tod. Als ihn einer seiner Lords hintergeht, fordert Severn dessen schüchternen Sohn Owen als Geisel, der wie ein Lamm unter Wölfen zu sein scheint. Bis der Junge Verbündete am Hof findet und erkennt, dass in ihm etwas ganz Besonderes steckt …

He soaked in the sights, unable to comprehend the massive size of such a place, his senses overwhelmed by the noise and confusion. He tried to stifle his emotions, but he found himself crying, his heart breaking with with sadness that none of his family was there to shelter him. Why had he been chosen to go to Kingfountain? Why not one of the others?

Seite 14

Aufmachung

Auch wenn dieses Cover den Blick anzieht und die Details sehr schön anzusehen sind, bin ich weder vom originalen noch vom deutschen überwältigt. Titel als auch das generelle Design passen wie man es sich wünschen mag.

Hingegen ist es faszinierend den Schutzumschlag des gebundenen, englischen Buches abzunehmen, da der Einband den hinter dem Fensterbogen verborgenen Himmel in seiner Gänze zeigt.

Eigene Meinung

Wahrscheinlich fiel mir dieses Buch schon zu seiner Veröffentlichung ins Auge, vor allem wegen des Covers, doch hatte ich nicht direkt in Erwägung gezogen, es zu lesen, zumindest war es noch nicht in meinem Bücherregal gelandet. Bis ich letztes Jahr wieder einmal durch eine Liste bestimmter Bücher auf diesen Auftakt traf und zusätzlich die deutsche Übersetzung in den Buchhandlungen sah. Ich bereue es definitiv nicht, diese Reihe begonnen zu haben, aber wird sie nicht zu meinen Favoriten zählen werden.

König Severn eilt sein Ruf als gefürchteter, skrupelloser Herrscher voraus, nicht wenige wollen ihn von seinem neu gewonnen Thron stürzen und so ist Krieg als auch Verrat Teil des Königreiches. In dem Versuch ihn zu entthronen, spielt Owen Kiskaddons Vater ein gefährliches Spiel, doch misslingt ihm sein Unternehmen, sodass seine Loyalität von Severn in Frage gestellt und sein Sohn als Geisel zum königlichen Hof gerufen wird. Nun findet sich Owen an einem Ort fern seiner geliebten Familie vor, stets seines Lebens bedroht.

The ruling houses of this kingdom can be likened to members of a large family who hate each other fiercely. The grievances go back to the founding of this dynasty, nigh on three centuries ago. These family members make an art out of warring with each other.

Seite 34

Im Grunde genommen bereitete es mir große Freude dieses Buch zu lesen, zumal es in einem angenehmen Stil verfasst ist. Doch im Nachhinein entpuppt es sich als solche Lektüre, welche während des Lesens unterhaltsam und ohne aufkommende Langeweile ist, solange man nicht allzu genau über den Aufbau der Geschichte nachdenkt. Im Anschluss zeigt sich, dass es nur eine simple, geradlinige und nicht außergewöhnliche Handlung ist, die wenig emotionale Momente hervorruft, zumindest bezüglich spannender Höhepunkte.

Man tritt in eine Welt ein, die vielen Lesern bekannt sein mag, wohl aufgrund ihrer Beziehung zu den Rosenkriegen im 15. Jahrhundert, welche gerne als Grundlage der Entstehung einer fiktiven Geschichte gewählt werden. Hierbei ist jedoch kein direkt interessantes Buch daraus entstanden. Ein zwielichtiger Herrscher, allseitiger Verrat und dann selbstverständlich ein übernatürliches Element, welches hierbei selten auftretende, gesegnete, magische Fähigkeiten sind. Dabei wird vieles als Hintergrundinformation sehr spontan und fast willkürlich vom Zeitpunkt her erzählt. An manchen Stellen ist der Schreibstil äußerst angenehm und gleichzeitig stockt er an anderen – einem Moment die Gefühle, Tragweite und Glaubwürdigkeit nehmend -, was mir erst nach dem Beenden auffiel (seltsamerweise), eventuell da interessante, authentisch wirkende Dialoge und die Tatsache, dass man es schnell lesen kann die negativen Stellen überdecken, wenn man von den teils verwirrenden oder nicht ganz visualisierbaren Beschreibungen der eigentlich faszinierenden Handlungsorte absieht.

Too many people are frightened. They want youth to last. They complain bitterly if sickness comes. But the world is always in tumult, and fortunes rise and fall and fail. It is the ambitious who accomplish things. It takes courage to be ambitious, for never was anything great achieved without risk.

Seite 87

An sich kann die Erzählung sehr interessant sein, nur wünsche ich mir mehr als eine strikt in eine Richtung laufende Geschichte, bei welcher Nebenhandlungen nicht im Verborgenen abzulaufen scheinen, sondern aus dem Nichts hinzukommen oder entstehen, wenn sie für den Verlauf der Protagonisten notwendig sind. Des Weiteren wirken viele der wichtigen Figuren etwas blind und nicht so klug wie sie eigentlich beschrieben werden, abgesehen von Ankarette, einer entscheidenden Person für Owens Überleben. Manche Schachzüge oder in diesem Fall Wizrzüge (das Schach ebenjener Welt) bewegen sich auf einem sehr dünnen Pfad mit vielen Risiken, weshalb es umso überraschender ist, dass alles recht reibungslos abläuft und jeden überrascht.

Meine Aussagen mögen sehr negativ klingen, weshalb sich die Frage stellt, warum ich das Buch dennoch gut finde. Ein entscheidender Grund sind die Figuren, von ihrer Ahnungslosigkeit abgesehen. Die Beziehung zwischen Owen und Ankarette, die wie eine zweite Mutter für ihn wird, ist herzerwärmend und fühlbar. Owen und Evie geben ein sehr süßes Duo ab und der dunkle Herrscher ist doch nicht so einseitig wie er zu sein scheint. Eher zeigt er auch ungezwungene realistische weiche Seiten, äußert Wahrheiten und Abneigung gegenüber der Falschheit des Hofes auf mich amüsante Art und ist nicht der typisch böse König. Owen ist ebenfalls nicht ganz der allseits bekannte junge Protagonist, da er sowohl seine ungewöhnlichen Charakterzüge als auch bekannte Merkmale eines kleinen Jungen zeigt. Außerdem fügen sich Nebencharaktere gut in die Geschichte ein und sind nicht nur einfach ein Gegenstand, der einfügt wird, um der Hauptfigur eine Handlung zu geben.

He had learned that being adorable, affectionate, and quick to give hugs and smiles and little kisses earned him treats and stories and attention. […]
Power. There was power in being able to control how others reacted to you.

Seite 36

Schlussendlich fühlte ich mich mit diesem Buch gut unterhalten und würde absolut zum Folgeband greifen, vor allem aus Interesse, was nach einem Zeitsprung von sieben Jahren mit der Welt und den Charakteren geschieht. Dennoch fällt mir nun auf, wie wenig dieser Auftakt dem Leser darbringt, wie knapp eine alles sagende Inhaltsbeschreibung wäre, weshalb ich mich lieber an das gute Gefühl beim Lesen erinnere und nicht an die Erzählung an sich. Nach vielen gelesenen Büchern fehlt es mir bei diesem schlichtweg an Komplexität und Tiefe, an im Hintergrund ablaufenden Handlungen. Ob und wann ich nach dem zweiten Band greife, kann ich nicht sagen, aber wird es wahrscheinlich in naher Zukunft sein, da ich ansonsten nur Verwirrung wie Owen durch all die Namen und Figuren verspüren werde.

Fazit

Im Endeffekt  ist es schwer eine eindeutige Bewertung zu finden, da ich einerseits Spaß am Lesen hatte, es wahrlich genoss, was für mich manchmal sehr entscheidend ist, andererseits sagt das Buch in vielerlei Hinsicht nichts aus und hat viele Mängel, wie man meinen Worten entnehmen kann. Ich hatte nach keinem sehr komplexen Buch gesucht und hatte es nicht erwartet, obschon ich es mir dennoch wünschte. Manchmal kann ein leichtes Buch auch entzücken.


3,5/5 ★

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