Rezension: Days of Blood and Starlight | Laini Taylor

Autor: Laini Taylor
USA 2012

Zweiter Band (Daughter of Smoke and Bone)
517 Seiten
Verlag: Hodder & Stoughton
Genre: Urban/Low Fantasy

ISBN: 978-1-444-72270-3

dt. Titel: Days of Blood and Starlight
Übersetzer: Christine Strüh, Anna Julia Strüh

Zum Buch
Zum Buch (deutsche Ausgabe)

Inhalt

Wo würdest du dich verstecken, wenn die ganze Welt nach dir sucht?

Was würdest Du tun, wenn deine große Liebe plötzlich deine Familie auf dem Gewissen hat?

Wie würdest du entscheiden, wem du trauen kannst, und wem nicht?

Der Traum vom Frieden, den Karou und Akiva einst teilten, ist vorbei. Wenn aus Liebe Hass wird, kann uns nur noch die Hoffnung retten…

Karous Welt ist zusammengebrochen: Ihre große Liebe, der Seraph Akiva, ist für den Tod ihrer Familie verantwortlich. Jetzt hat sie nur noch ein Ziel: den jahrtausendealten Krieg zwischen den Chimären, zu denen sie selbst gehört, und den Seraphim zu beenden. Gemeinsam mit ihrem einstigen Feind Thiago -dem Weißen Wolf- zieht Karou sich in die Wüste Marokkos zurück, um dort eine neue Armee zu bilden. Eine Armee aus Monstern. Und wenn es nach Karou geht, wird zumindest die letzte Vertraute, die ihr geblieben ist, ihre beste Freundin Zuzana, aus alledem herausgehalten werden. Wer Zuzana kennt weiß allerdings, dass sie sich nicht gerne bremsen lässt…

Akiva dagegen will sich unbedingt von seiner Schuld befreien. Er hatte nur im Irrtum gehandelt, dachte Karou wäre tot, und wollte sie rächen. Um seine Tat zu sühnen, plant er deshalb einen gefährlichen Verrat an seinen eigenen Leuten.

Aber wird Akivas Plan aufgehen? Und kann Karou ihre Trauer überwinden, und Akiva jemals verzeihen?

Once upon a time, an angel and a devil fell in love and dared to imagine a new way of living – one without massacres and torn throats and bonfires of the fallen, without revenants or bastards armies or children ripped from their mother’s arms to take their turn in the killing and dying.

Once, the lovers lay entwined in the moon’s secret temple and dreamed of a world that was like a jewel box without a jewel – a paradise waiting for them to find it and fill it with their happiness.

This was not that world.

Seite 74 (Kindle E-Book)

Aufmachung

Das Cover der für diese Rezension verwendete sagt mir am meisten zu. Die deutsche Ausgabe ist verglichen mit dem ersten und zweiten Band nicht sonderlich überwältigend, wobei die kleinen gezeichneten Details wieder sehr schön sind ebenso die Gestaltung des Einbandes.

Eigene Meinung

Vor mittlerweile vielen Jahren hatte ich den zweiten Band gelesen, doch ist er mir nie so sehr in guter Erinnerung geblieben wie der erste. Nun ist mir der Grund dessen bewusst geworden.

Das Brechen des kleinen, unscheinbar wirkenden Wunschknochens veränderte komplett Karous Welt. Aus dem Dasein mit Akiva in Liebe, gerät sie in einen Krieg, der das Ende von all jenem sein könnte, das sie einst liebte und an was sie sich nun endlich mit Schmerz erinnern kann. Langsam bemerkt sie, dass die gute der dunklen und feindlichen Seite doch nicht zu unähnlich in ihren Mitteln ist und zweifelt an ihren Entscheidung, ihrem Volk zu helfen, sich an den Seraphim zu rächen. Währenddessen verändern sich ebenfalls die Sichten von einzelnen Kämpfern der Seraphim, im Kampf um ein Ende des endlosen, grausamen Krieges. 

» […] How long can a war go on?«
» Is that a riddle? How long can a war go on?«
»No, Karou. The riddle is: How might a war end? Annihilation is one way. Joram’s way. He did this, not you. You dreamed a different way. […]«

Seite 334 (Kindle E-Book)

Wie auch im ersten Band ist ein wundervoller mit vielen schönen Metaphern und Vergleichen gefüllter Schreibstil vorzufinden, welcher etwas anderes und einen ganz eigenen Humor hat, und mich vor allem an die Geschichte fesselt, mich beim Lesen gefangen hält. Laini Taylor schafft es eine einzigartige Atmosphäre mit kleinsten Worten innerhalb eines Augenblicks zu weben. Während der erste Band vor allem Liebe spürbar macht, ist es nun das Gegenteil, sodass ein gelungener Kontrast zwischen Schönheit und Hässlichkeit entsteht. Atemberaubende Landschaften des nun mehr im Vordergrund stehenden Eretz und dem gegenüber die Auswirkungen eines ewigen und grausamen Krieges. In der Gesamtheit erzählt das Buch von der absolut unschönen Seite des Krieges, der damit verbundenen, harschen Brutalität, der Gnadenlosigkeit, der Folter. Es ist das Gegenspiel zur Liebe, anknüpfend an die letzten Momente des Auftaktes: tiefreichender Hass und seine intensiven, schmerzvollen Folgen. Auch wenn der erste Band schon negative Emotionen und Trauer behandelt, so ist dieser eine weitere Steigerung. Manchmal kann eine einzige Tat alles zerstören und ist nicht mehr rückgängig zu machen, manchmal reißen Schuld, Misstrauen und Verrat zu tiefe Wunden, als dass diese vergeben würden und heilen könnten. Insgesamt trifft man auf eine Welt, die nicht am Anfang eines Krieges steht, sondern schon von diesem zerstört ist. Sie ist nicht in ihrer Blüte, sondern man hört größtenteils nur von ihrer einseitigen Schönheit oder sieht kleinste, übriggebliebene Fetzen, die in Flammen aufgehen. Trotz dessen fehlen einzelne Komponenten, um diese Welt wahrhaftig fühlbar zu machen, vielleicht liegt es an dem Aspekt, dass es ein vollkommen anderes Land als das unsere mit all den fremden Wesen ist und ich mir noch mehr Beschreibungen wünschte, um alle fantastischen Details wahrnehmen zu können, aber schlussendlich ist nicht nur die Umgebung das Entscheidende,  wobei Hinweise auf Inhalte des nächsten Bandes das Interesse weiter halten und mich zum Finale greifen lassen möchten. 

»As long as you’re alive, there’s always a chance things will get better.«
»Or worse,« said Liraz.
»Yes,« he conceded. »Usually worse.«
Hazael cut in. »My sister, Sunshine, and my brother, Light. You two should rally the ranks. You’ll have us killing ourselves by morning.«

Seite 173 (Kindle E-Book)

Nach all den Jahren mit verschiedensten Magiesystemen ist jenes von Taylor immer noch eines, das ich bisher kein zweites Mal gesehen habe, vor allem die Idee der Zähne und erschaffenen Körper fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Genau diese Magie lernt Karou auf unangenehmstem Wege kennen und dabei erlebt man das Aufeinandertreffen zweier Welten, die unterschiedlicher und gleichzeitig ähnlicher nicht sein könnten. Doch umso mehr sie diese Magie, welche sie mit bestimmten Personen verbindet, anwendet, desto stärker werden ihre nicht grundlosen Zweifel der Richtigkeit ihres Tuns und spürt man zunehmen die Ausweglosigkeit ihrer Lage, während sie sich selbst immer fremder wird. An sich bleibt sie weiterhin ein für mich sehr interessanter Charakter, gezeichnet vom Schmerz und dessen physische als auch schlussendlich psychischen Auswirkungen. Sie ist ein Teil der harmonischen Gestaltung vielseitiger Charaktere, wobei das Potential mancher eventuell verschenkt wurde. So habe ich von Thiago beispielsweise etwas mehr erwartet nach den Beschreibungen und Handlungen der Vergangenheit. Von Karou könnte ich viele Geschichten lesen, auch wenn sie in diesem Band trotz ihrer negativen Seiten und Fehler etwas sehr perfekt wirkt, doch störe ich mich nicht an ihrer intensiv hervorgehobenen, mysteriösen Aura vor allem zu Beginn des Buches. Sie hat eine Art an sich, die sich von anderen literarischen Figuren entscheidet und damit spannend macht, zumal man immer mehr Einblicke in ihr Inneres erlangt. 

Jedoch stört es mich bei diesem Band zutiefst, wie ahnungslos viele Charaktere sind. So breitgefächert ihre Persönlichkeiten auch sind, es lenkt nicht davon ab, dass sie von zu vielen Situation und plötzlichen Wendungen überrascht werden, obwohl die Erfahrungen der Vergangenheit etwas anderes hätten erahnen lassen können und Überraschungen teilweise keine wirklichen sind. Dies ist überwiegend bei Karou und Akiva zu betrachten, obschon es auch ein Zeichen ihrer Verzweiflung sein könnte.

One world on its own is a strange enough seethe of coiling, unknowable veins of intention and chance, but two? Where two worlds mingle breath through rips in the sky, the strange becomes stranger, and many things may come to pass that few imaginations could encompas.

Seite 491 (Kindle E-Book)

Besonders hervorstechend für mich ist die Erkenntnis bezüglich des Krieges, die viel zu selten angesprochen wird, nämlich dass das erdachte Ende keines ist, sondern nur der Anreiz für mehr und mehr endlose Gewalt einer anhaltenden und vernichtenden Ideologie sein kann, was man in dem drastisch, in kürzester Zeit ansteigenden Terror sehen kann nach all den Jahrhunderten des Krieges, was sogar Karou auffällt, sodass es nicht nur eine Ungereimtheit für den Leser ist. Hierbei ist es noch kein Kampf, welcher bei der Lösung des Problems hübsch endet. 

Fazit

Resümierend habe ich den Fortgang der Geschichte genossen und bin immer noch erstaunt, wie tief sich die Geschichte schon beim ersten Mal in meine Erinnerungen eingebrannt hat, ohne die Freude und gleichzeitig Angst vor der weiteren Reise der Figuren zu nehmen. Es ist mir ein Rätsel, wie ich nicht sofort zum dritten Band hatte greifen können. Die Fortsetzung kommt für mich nicht an den ersten Teil heran, vor allem wegen des ahnungslosen Handelns von Karou und Akiva und da ich nicht so sehr mitgerissen wurde, aber ist sie dennoch solide mit vielen interessanten Aspekten und Merkmalen, die ich schon im Auftakt sehr genießen konnte. Beim aufmerksamen Lesen mag man vielleicht die Anspielungen auf Witze des Vorgängers bemerken und lassen sich viele berückende Worte zur Seele und dem Leben finden. Ich frage mich, ob ich mir wahrlich die emotionale Tortour des Finales antun möchte, sofern es eine wird. 


4/5 ★

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