Rezension: Nordwärts | Bernhard Hennen, Robert Corvus

Autoren: Bernhard Hennen, Robert Corvus
D 2016

Erster Band (Die Phileasson-Saga)
496 Seiten
Verlag: Heyne
Genre: High Fantasy

ISBN: 978-3-453-31751-2

Zum Buch

Inhalt

Sagen und Mythen ranken sich um die legendäre Rivalität zwischen Asleif Phileasson, den sie nur den Foggwolf nennen, und Beorn dem Blender. Nun soll eine Wettfahrt entscheiden, wer von beiden der größte Seefahrer aller Zeiten ist und sich König der Meere nennen darf. In achtzig Wochen müssen die beiden Krieger den Kontinent Aventurien umrunden und sich dabei zwölf riskanten Abenteuern stellen. Abenteuern, die nur die abgebrühtesten Helden zu bestehen vermögen. Es ist der Beginn des größten und gefährlichsten Wettlaufs aller Zeiten …

Ihr sollt eine Reise antreten, die euch in die fernsten Winkel Aventuriens führen wird. Ihr werdet euch an Aufgaben beweisen, denen sich noch kein Mensch zu stellen wagte. Es wird eine Fahrt sein, wie sie nie zuvor ein Recke gewagt hat. Wer siegreich zurückkehrt, der darf sich fortan König der Meere nennen.

Seite 119

Aufmachung

Die Cover dieser Reihe sind wahrlich außergewöhnlich schön und dazu noch passend zum Inhalt, ebenso wie die dazugehörigen Titel. Diese Details haben mich teils auf die Reihe aufmerksam gemacht. Außerdem gibt es eine hilfreiche Karte – ein stets willkommendes Detail.

Eigene Meinung

In dem Vorhaben, mehr von deutschen Autoren zu lesen, vor allem im Fantasy-Genre für Erwachsene, nahm ich dieses Buch zur Hand und kann sagen: es war nicht nur ein schönes Leseerlebnis, sondern hat ebenfalls Interesse für die bis dahin für mich unbekannte Welt des DSA – ein deutsches Pen&Paper namens Das Schwarze Auge – geweckt.

Phileasson ist der Entdecker, Beorn der Eroberer. Verbunden sind sie durch eine jahrelange, tiefgehende Rivalität. Beide besegeln das Meer, doch nur einer von ihnen kann der König des Meeres sein. Eine 80-wöchige Queste mit 12 gefährlichen Aufgaben soll entscheiden, wer diesen Titel tragen darf, doch die Umrundung Aventuriens zur Erfüllung ihrer Missionen ist keine leichte. Gefahren drohen von außen, aber auch von innen. Die Reise in den Norden hat erst begonnen.

Da ich bisher keine weiteren Kenntnisse des Universums von DSA habe, kann ich nicht beurteilen, inwiefern sich dieser Auftakt der Phileasson-Saga in diese vielschichtige Welt einfügt. Ebenso wenig fehlen mir Bezugspunkte und das Verstehen gewisser Anekdoten, welche für ein anderes Wahrnehmen des Buches gesorgt hätten. Doch für einen unwissenden Leser gibt es ein wunderbares Glossar, das von einer weitaus tiefer gehenden Welt zeugt.

»Aus dunklen Taten wird Dunkelheit geboren […] Behüte die Deinen. Ich weiß nicht, wer oder was über Egil gekommen ist, aber ich prophezeie dir, es wird noch mehr Blut vergossen werden. Was hier in dieser Nacht geschehen ist, war erst der Anfang.«

Seite 83

Der Roman beginnt mit einem recht grausamen und langen Prolog, welcher die Erwartungen an die Geschichte in eine ganz andere Richtung lenken kann. Die eigentliche Handlung formt einen sehr gelungenen und interessanten Auftakt einer Reihe, welche vermutlich aus 12 Bänden mit je einer Mission des großen Abenteuers bestehen wird, wie man auf der offiziellen Seite sehen kann. Man verfolgt die beiden gegnerischen Parteien, wobei sich das Auge überwiegend auf Philieassons Mannschaft konzentriert, auf ihrem Weg, welcher gefüllt ist mit entscheidenden Prüfungen und schwerwiegenden Hindernissen – viele Ereignisse werden auf dem zeitintensiven Weg in den Norden erlebt. Zusammen ergeben sie eine abwechslungsreiche Mischung, die zu keiner gravierenden Langeweile führt. Dennoch ist die Länge des Buches durchaus spürbar und stellt sich mir die große Frage, wie sich die Folgebände entwickeln werden, ob die Reihe in Monotonie abfällt. Einen Lesemarathon, im Sinne des Lesens der Bände ohne eine anderweitige Lektüre mit Fokussierung auf ein anderes Thema dazwischen, kann ich mir bei dieser Reihe nach dem ersten Band nicht vorstellen, da andernfalls  Langatmigkeit mit fehlender Spannung durch gleiche Muster entstehen könnte.

Bisher konnte mich somit die Geschichte für einen Roman überzeugen. Dies liegt nicht nur dem Aufbau der Handlungsstränge und –entwicklungen zugrunde, sondern auch der großen, mit Komplexität gefüllten Welt. Verschiedene Völker werden auf natürliche Art und Weise in die Erzählung eingebunden, ebenso wie sich voneinander differenzierende Kulturen und Religionen, die Eigenarten der Elfen und faszinierende Darstellungen der Magie. Es wird sich nicht explizit auf einen magischen Aspekt, sondern das Wesen der Welt, welches im Laufe der Reise entdeckt wird, fokussiert.

Mit zwei Stimmen, deren eine die andere umspielte, sang er etwas in der wohlklingenden Sprache der Elfen, als stünde ein unsichtbarer Zwilling neben ihm. […] Die Worte klangen wie aus Licht und Traum gewoben, aber zugleich erschien es Phileasson, als entgingen ihm einige der Töne, als seien seine Ohren nicht für derartigen Wohlklang geschaffen. Vielleicht war es auch die raue Welt, in der er lebte, die solche zarten Harmonien nicht zuließ.

Seiten 161-162

Ein ansprechendes Detail zu Beginn ist die klare Gegensätzlichkeit beider Mannschaften, die dennoch kein simples Schwarz und Weiß, Gut und Böse ist. Demnach hat Phileasson ebenso dunkle Seiten wie man sie offen bei Beorn bemerkt, aufgrund seiner unerschütterlichen Fixierung auf sein Ziel. Obgleich dieser Kontrast die andere Seite sehen lässt und nicht nur den augenscheinlichen Protagonisten, ist er teils zu intensiv und führt er zur Vorhersehbarkeit der antagonistischen Seite. Trotz dessen bleiben Überraschungen für den Leser. Sehr schade ist es, dass die offenkundige Sympathie zur Phileasson-Gruppe und demzufolge ihrer tiefgründigeren Beschreibung dazu führt, dass schlussendlich die stumpfe und eintönige Hinwendung Beorns Mannschaft mit erstaunlich wenigen sozialen und kulturellen Konflikten in paradoxer Weise unnötig ist.

Fazit

Schlussendlich lässt sich sagen, dass dies ein angenehm zu lesender und Nachfrage hervorrufender, atmosphärischer und überaus bildgewaltiger Auftakt mit viel Diversität ist. Es ist erst der Anfang, eine gelöste Aufgabe von vielen, man sieht erst einen Teil des Charakters der handelenden Personen. Leider ist nicht gewiss, ob mit den nachfolgenden Bänden etwas Neues kommt, mit der möglichen Verschiebung der Hauptfiguren und der großartigen, intensiven Entdeckung der Welt Aventueriens, bis dahin unentdeckten Gebieten,  oder sich diese Reihe als Anreihung von sich immer wieder wiederholenden Plattitüden entpuppen.


3,5/5 ★

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