Rezension – Calamity | Brandon Sanderson

Autor: Brandon Sanderson
(USA 2016)

Dritter Band (The Reckoners)
421 Seiten
Verlag: Gollancz
Genre: Superhero Fiction

ISBN: 978-0-575-10483-9

dt. Titel: Calamity
Übersetzer: Jürgen Langowski

Zum Buch
Zum Buch (deutsche Ausgabe)

Inhalt

Seit die mysteriöse Erscheinung namens „Calamity“ am Himmel erschienen ist, hat sich die Welt verändert. Menschen mit Superkräften, die sogenannten Epics, haben die Herrschaft an sich gerissen. Keiner glaubt, dass einer dieser Epics jemals wieder zu Moral und Gerechtigkeit zurückfinden kann – bis auf den achtzehnjährigen David. Sein Schicksal ist eng mit den Superschurken verknüpft, seit Steelheart ihm den Vater genommen und Firefight sein Herz gestohlen hat. Jetzt ist der Prof, sein bester Freund und der Anführer der Widerstandsgruppe namens Reckoners, selbst zu einem unkontrollierbaren Epic geworden. Doch David hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Um zu beweisen, dass auch Epics zu den Guten gehören können, und um den Prof zu retten, werden David und die Reckoners es mit dem Mächtigsten von ihnen aufnehmen müssen. Oder bei dem Versuch umkommen …

Jonathan Phaedrus, now consumed by his powers, wouldn’t be content to sit in a city and rule. He had ambitions.
He could be the most dangerous Epic this world had ever known.

Seite 19 | Kapitel 1 (Leseprobe)

Aufmachung

Copy – Paste: Meine Meinung bleibt zu diesen Covern bestehen und auch dem dazugehörigen Titel. Wobei ich hier das andere Cover mit der Explosion sogar fast mehr mag.

Eigene Meinung

Nachdem mich der zweite Band mit einem sehr positiven Gefühl zurückgelassen hatte und ich mit Freude dem Finale entgegen blickte, nahm ich mir den dritten Band zu Gemüte, doch reicht dieser leider nicht an die vorherigen Teile heran, sondern ist eher das perfekte Beispiel für die stets anwesende Sorge oder gar Angst, dass eine Fortsetzung nicht immer gut ist und die guten Eindrücke der Reihe zunichte machen kann.

Die Reckoners haben erneut einen starken Epic besiegen können und damit eine weitere Bedrohung abgewendet, doch verlieren sie auf diesem Wege den einst eng vertrauten Prof als Anführer und mächtigen Verbündeten. Nun liegt es an David die Gruppe durch diese schwere Zeit zu lenken, während sie sich vor Prof verbergen müssen, aber hat er nicht die Hoffnung aufgegeben, dass Epics sich zum Guten wenden können, da Megan es schon bewiesen hat. Mit neuer Hilfe begeben sie sich auf ihre letzte große Mission.

I settled back, anxiously listening to the gunfire and explosions. I wanted to be out there in the mess, firing and fighting, but that wouldn’t make sense. […] My job as leader was to hang back and meke judgment calls.
It sucked.
Was this how Prof had felt during missions he supervised? […] I hadn’t realized how tough that would be.

Seite 17 | Kapitel 1 (Leseprobe)

Schon die ersten Seiten des finalen Bandes erinnern den Leser erneut an die Eigenart des Protagonisten, stets gute Metaphern finden zu wollen und dabei die abstrusesten Vergleiche entstehen zu lassen, wodurch somit ganz eigener Humor geschaffen wird, doch gleichzeitig wird deutlich, dass das Finale sich von seinen Vorgängern unterscheidet. Während sich Humor, hervorgehend aus amüsanten, misslungenen Metaphern, Sarkasmus und laut ausgesprochenen Gedanken mit dem richtigen Unterton, zuvor wunderbar verteilt in die Geschichte eingewoben hatte, sticht er nun deutlich in seiner geballten Menge zu Beginn hervor. Fast auf jeder Seite wird der gleiche Witz in abgeänderter Form verwendet oder verspürt man zumindest das Gefühl als wäre dem so, doch legt sich dieser kleine, störende Faktor nach wenigen Kapiteln, sodass die humorvollen Aspekte an jene der anderen Bände anknüpfen und ihnen in nichts nachstehen. Ebenso findet man vergleichsweise abermals eine interessante Handlung mit teils unerwarteten Offenbarungen und Wendungen vor.  

Jedoch sprach ich schon an, dass deutliche Unterschiede zu den vorherigen Teilen bestehen. Die Handlung wirkt weniger fesselnd und mitreißend, man wird nicht mehr intensiv in die Welt gesogen, was viele Gründe hat. Einerseits ist viel Gleiches im Aufbau vorhanden, weshalb zwar Überraschungen auftreten können, doch das Wissen über den möglichen Verlauf zeitig auftritt. Zuvor lobte ich, dass sich nicht zu viel an nebensächlichen Handlungen festgehalten und des Öfteren von einer spannenden Szene zur nächsten gesprungen wird, aber in diesem Fall wird nicht das richtige Maß der Verbindung getroffen. In diesem Sinne fühlt sich das Buch zu gehetzt in seinem Ablauf der Ereignisse an, denn es fehlt der Ausgleich zwischen der Gewichtigkeit spannender Sequenzen und persönlicher Gespräche.  Es scheint als wäre alles von großer Bedeutung, wahrlich alles. Pauschalisierend wirken Dialoge offenbarend, sie sind gefüllt mit wichtigen Informationen, einem philosophischen Gedanken oder bestehen um endlich einem Charakter gezwungen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Man findet nur wenige Momente, in welchen die Figuren schlichtweg leben oder etwas ohne eine versteckte, nachtragende Relevanz verrichten und damit einen Einblick in ihr Sein, ihre Persönlichkeit geben. Beispielsweise ist der Verlust von Prof als der Anführer schlichthin nicht in einer tiefreichenden Erschütterung der Mitglieder der Reckoners zu spüren, als wäre dieser Gruppe die Seele und der besondere Charakter genommen worden. Hingegen ist das Fehlen seiner Art des Planens deutlich und zeigt den Kontrast eines Kampfes mit der Hilfe Profs und ohne diese. Doch obwohl die handelnden Personen inzwischen ernsthafter verletzt werden, bangt man nicht um ihr Leben wie vorher und verlieren manche Actionszenen die Spannung durch diese abwesende Gefahr. 

Andererseits liegt es an der Art der Beschreibungen. Ildithiya als sich immer erneuernde und fortbewegende Salzstadt ist ein unfassbar interessanter Handlungsort, aber längst nicht so greifbar wie Babylon. Gleichzeitig merkt man dadurch wiederum, dass David seit den letzten Ereignissen persönlich etwas fehlt und damit seine Wahrnehmung der Umgebung einen Wandel erfährt. Plötzlich ist er von seiner Rolle als Frontmann, die perfekt zu seinem Wesen passte, zum Anführer geworden und zeigt seine Kompetenz trotz dieser drastischen Veränderung in zahlreichen Situationen mit dem Ergebnis, dass Beschreibungen nicht nur Worte sind, sondern sie sich mit Handlungen decken. Folglich kommt eine andere Seite Davids zum Vorschein, vor allem in Verbindung mit seinen möglichen Epic-Kräften. Dennoch bringt seine wichtige Position Probleme, einen nicht unbedenklichen Druck mit sich und beginnt er sich schlagartig an seinen Vater zu erinnern, was unübersehbar eine Ankündigung ist. 

I’ve witnessed the fearsome depths.
[…] I stared into the burning red star known as Calamity, and knew – with no uncertainty – that something inside me had changed.
The depths had claimed me as one of their own. And though I’ve pushed them back, I still bear their hidden scar.
They insist that they will have me again.

Seite 11 | Prolog (Leseprobe)

Neben David tritt besonders Megan hervor mit der Eröffnung der Komplexität ihrer Fähigkeiten. Doch wo diese so gut anfing, entpuppt sie sich als zu schwach und unzureichend in der Erklärung. Im zweiten Band erfuhr man so viele standfeste und logische Elemente bezüglich der Epics, aber mit dem Fortschreiten der Handlung verwandeln sich Megans Kräfte wie gesagt in etwas zu flach Erläutertes oder Eindimensionales und sind dann noch der entscheidende Faktor, ohne welchen alle aufgeschmissen wären. Mein Problem mag sein, dass ich nicht der größte Fan der Liebesgeschichte zwischen David und Megan bin, da diese nicht notwendig für eine gute Erzählung in diesem Fall ist und eher von potentiell besseren Wegen abgelenkt. Diese Beiden stehen absolut im Rampenlicht und werfen Schatten auf die anderen Mitstreiter oder sogar ihre Gegner, von denen ich gerne mehr gesehen hätte. Das bedeutet definitiv nicht, dass Sanderson andere Figuren vernachlässigt. Sie haben meiner Meinung nach ein größeres Potential als man schlussendlich zu sehen bekommt. Zum Beispiel ist ein neuer Charakter eher ein Joker und Ersatz, um alles aufrecht und im Bereich des Möglichen zu halten. 

Zum Ende dieser Trilogie möchte ich nicht viel sagen, außer, dass ich es als sehr enttäuschend und unnötig kitschig empfinde.

Schlussendlich ist dies ein Blockbuster – wie es die Edition, welche ich gelesen habe auf der Rückseite besagt – in Buchform, was nicht unbedingt immer mein Geschmack ist. Man kann die Stunden mit dieser Lektüre genießen, aber im Vergleich zu den ersten beiden Bänden, hätte ich sie lieber nicht gelesen, um den zweiten Band als Abschluss in Erinnerung zu behalten. Dem Inhalt nach hätte es gut noch ein weiterer Teil sein können, sodass sich mehr Zeit gelassen werden kann. Es entsteht der Eindruck, als musste die Geschichte unbedingt bis zu einem bestimmten Zeitpunkt beendet werden und hatte aus diesem Grund nicht so vielseitig geplant werden können. Die anderen Bücher zeigen eindeutig mehr Entwicklung und erweitern die fiktive Welt um ein größeres Maß, von der faszinierenden, wenngleich simplen Auflösung um Calamity abgesehen. 

Fazit

Dennoch mag ich die Welt rund um die Reckoners und Epics und bleibt es eine gute Reihe, welche schnell zu lesen ist, faszinierende Ideen aufzeigt, eben sehr unterschiedliche Teile hat und dessen Finale nicht so stark ist. Liebend gern würde ich mehr lesen und eventuell ein paar ungeklärte, neue Fragen beantwortet wissen.


2,5/5 ★

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