Rezension: Macht | John Gwynne

Autor: John Gwynne
Originaltitel: Malice
GB 2012

Erster Band (Die Getreuen und die Gefallenen)
832 Seiten
Verlag: Blanvalet
Genre: High/Epic Fantasy

ISBN: 978-3-7341-6119-3
Erschienen: Juni 2017 (dt.)
Übersetzer: Wolfgang Thon

Zum Buch

Inhalt

Wo sich die Verfemten Lande erstrecken, färbte Blut die Welt einst rot. Wo heute uralte Ruinen stehen, bezwangen Menschen Giganten. Wo einzig das Heulen der Woelven erklingt, brannte vor tausenden Jahren die Welt.

Doch zu lange haben sich die Menschen in Sicherheit gewähnt. Nun weinen die Gigantensteine Blut, und in den Verfemten Landen regt sich erneut, was für immer verbannt sein sollte. Ein uralter Feind hat längst eine Allianz geschmiedet und wartet darauf, dass seine Stunde kommt. Und nur einer vermag es, ihn aufzuhalten, wenn die Schwarze Sonne die Welt betritt …

Die Welt ist zerfallen.

Der Götterkrieg hat alles verändert. Asroths Ränke, Elyons Zorn, beides hat so vieles verdorben und vernichtet. Die Menschheit ist untergegangen, wurde ausgemerzt oder ist von diesen Gestaden geflüchtet. Und wir sind nur noch so wenige. Wir Giganten, die Uneinen, einst ein einziger Clan, nun gespalten, ohne Hoffnunng auf Versöhnung.

Seite 14 (Leseprobe)

Aufmachung

Es ist eine schlichte, genretypische Aufmachung, die jedoch perfekt den Klang des Buches trifft. Persönlich finde ich, dass die interessante Titelschrift sehr in Harmonie mit dem Schwert und dem Hintergrund steht, nicht nur aufgrund der Farbgebung, sondern auch der Formen. Zudem sind Titel und Reihenname sehr passend für die Geschichte, wobei Malice (zu Deutsch „Bosheit“ oder „Niedertracht“ und seltsamerweise der deutsche Titel des zweiten Bandes) noch einmal besser ist. Des Weiteren ist eine Karte vorhanden, die nicht nur schön, sondern auch hilfreich ist.

Eigene Meinung

Nach Game of Thrones traute ich mich endlich wieder an ein High-Fantasy Buch für Erwachsene heran, ein wenig abgeschreckt durch die überwältigende Länge. Ein Hereinfall war es ganz gewiss nicht, sondern der Auftakt zu etwas Großem.

Ein uralter Krieg, eine fortwährende Rivalität. Eine dunkle Prophezeiung, die zwischen zwei Propheten unterscheidet, einerseits auf der lichten Götterseite, andererseits auf der dunklen. Und die schwarze Sonne, die alles entscheiden wird. Vor langer Zeit wurden die Verfemten Lande von einem beinahe alles vernichtenden Krieg beherrscht und nun, nach Jahren des Friedens, lediglich von kleineren Konflikten geprägt, steht ein noch gewaltigerer bevor, in welchem jeder beginnt seine Rolle zu finden oder auserwählt zu werden.

Gwenith blickte immer noch über die Schulter nach Dun Carreg hinauf. Die uralte Stadtfeste lag hoch über der Bucht auf einer schroffen Klippe. Corban hörte das dumpfe Rauschen des Meeres von der Brandung, die gegen die steilen Felsen krachte, und der Gischt, die hoch gegen die verwirrte Felswand schlug. Eine Kolonne von Reitern preschte über die kruvige Straße von den Toren der Festung herunter und galoppierte auf die Weide. Die Hufe der Pferde trommelten dumpf auf der Erde. Es klang wie ferner Donner.

Seite 18 (Leseprobe)

Schon zeitig wird man in die faszinierende und atemberaubende, sehr gut umschriebene und gelungene Atmosphäre des High-Fantasy gezogen. Anfangs fühlte ich mich an Game of Thrones erinnert, unter anderem durch die bestimmten Charakterzüge der Bücher dieses Genres, doch bald erkennt man, dass man sich in einer ganz anderen Welt wiederfindet. Doch leider stehen der Reise durch diese, die sich wie ein langer Prolog anfühlt, viele Hindernisse im Weg.

Zu allererst sind es die vielen absolut typischen Charaktere, nicht nur bezüglich ihres Verhaltens, sondern auch ihrer Hintergrundgeschichten. Es dauerte recht lange, bis ich sie mir merken oder gar erst unterscheiden konnte, denn tragen viele verwirrend ähnliche Namen oder gleichen sich die Charaktereigenschaften als auch das Aussehen, sofern eines erwähnt wird und sie sie nicht gesichtslos bleiben. Große, muskulöse Krieger oder als solche heranwachsende, einst von anderen tyrannisiert und deshalb mit einem guten Wesenszug ausgestattet. Nur wenige erweckten Interesse in mir, weshalb das Lesen der Kapitel einiger Personen immer zäher geworden ist. Am meisten mochte ich Corban, ein Junge, der über das Buch hinweg zu einem Krieger heranreift. Man kennt einen Menschen wie ihn aus anderen Büchern, aber dennoch sind seine Kapitel die für mich am fesselndsten, da beispielsweise Veradis, welcher Sohn eines Barons ist und in die Kriegerhorde des Thronfolgers des Hauptkönigs aufgenommen wird, sehr charakterlos und flach erscheint. Andere Handlungsträger sind hingegen recht überflüssig oder bleiben stets auf einer gewissen Distanz, wie zum Beispiel Corbans Schwester, die vielmehr eine Beobachterin ist, als dass man etwas von ihr erfährt.

Dieser Tage träume ich oft, und in diesen Träumen erblicke ich Fetzen von dem, was möglicherweise einmal sein wird, höre eine flüsternde Stimme. Sie flüstert von Asroths Rückkehr, von der Fleischwerdung des großen Betrügers, von der letzten, gewaltigen Schlacht der Ben-Elim und von den Avataren, die erneut in den Götterkrieg ziehen …

Seite 16 (Leseprobe)

Ein weiterer wichtiger und äußert störender Aspekt ist der allseits anwesende Schutzengel über den Köpfen der Handelnden. Die Welt und somit auch die Geschichte verlieren an Glaubwürdigkeit und werden zunehmend realitätsfern, aufgrund dessen, dass die Hauptfiguren immer mit ihrem Leben aus einer Schlacht entkommen. Andere unwichtige Personen, die nicht mehr für die folgende Geschichte für große Bedeutung sein würden oder dessen Tod Wendungen im Geschehen hervorbringen könnten, scheiden hingegen aus dem Diesseits. Unter anderem dadurch ist es leicht zu sagen, wer eine tragende Rolle spielen wird und vielleicht sogar welche.

An sich führen diese Punkte und das über allem schwebende Gefühl, lediglich eine Einleitung zu lesen, dazu, dass der Geschichte oder einzelnen bedeutenden Handlungen grundsätzlich die Spannung fehlt. Es liegt ebenfalls an der Reihe zufälliger Ereignisse und Begegnungen, immer zu rechten Zeit. Auch wenn man nicht genau sagen kann, was passieren wird, sind Handlungswendungen nicht sonderlich überraschend, vor allem zum Ende hin, zumal schlussendlich die Aufteilung der Erzählung auf unterschiedliche Figuren dazu resultiert, dass man als Leser zu viel von den Geschehnissen weiß, noch vor den Charakteren, die es eigentlich betrifft.

Schließlich ist ein weiteres Problem das Fehlen von Informationen über das Universum in dem Buch. Beschreibungen sind ungenügend vorhanden, sodass ich mich eher auf einer Karte als direkt in der Landschaft befand. Hierzu führt ebenfalls das sich oft im Schreibstil unnötig Wiederholende und die übernatürlichen Vorkommnisse, die größtenteils wie ein Fremdkörper auf mich wirken und nicht recht mit der Welt harmonieren wollen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieses Buch durchaus anregend auf den folgenden Band ist, in der Hoffnung, mehr über die Welt und die sich nahenden magischen Elemente zu erfahren, den Fortgang so mancher Charaktere. Es haben mich viele Punkte gestört, aber gleichzeitig fand ich Gefallen am ersten Teil des Buches, in welchem man herrliche Menschen kennenlernt, die aus der Masse der Gleichheit herausstechen. Wie gesagt, ist dieser Band mehr eine Einführung und man muss erst einmal mit ihm warm werden. Ich habe viele gute Dinge über den zweiten Teil gehört, der mehr Tiefe, einerseits in der Welt, andererseits bezüglich der Handlungsträger, mit sich bringen soll und führen mich diese dazu, der Reihe mit großem Potential weiterhin eine Chance zu geben.


3/5 ★


Vielen Dank an den Blanvalet-Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares.

Blanvalet

Es sei anzumerken, dass diese Rezension vor fast zwei Jahren entstanden ist und, wie schon erwähnt, ich bis zu jenem Zeitpunkt lediglich den ersten Band von Das Lied von Eis und Feuer (zweigeteilte, deutsche Ausgabe) als Vertreter des High-Fantasy-Genres für ältere Leser (ergo nicht Jugendbuch/YA) gelesen hatte. Ich befand mich erst im Einstieg in dieses wundervolle, von mir jetzt heiß geliebte Genre.

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