Rezension: Die Blutkönigin | Sarah Beth Durst

Autor: Sarah Beth Durst
Originaltitel: The Queen of Blood
USA 2016 (September)

Erster Band (Die Königinnen von Renthia)
544 Seiten
Verlag: Penhaligon
Genre: High Fantasy

ISBN: 978-3-7645-3188-1
Erschienen: Oktober 2017 (dt.)
Übersetzer: Michaela Link

Zum Buch

Inhalt

Daleina gehört zu den wenigen Frauen, die über die Gabe verfügen, die Elementargeister zu kontrollieren, die das Königreich Renthia terrorisieren. Diese Frauen werden Königin – oder sterben bei dem Versuch, zerfetzt von den Klauen und Zähnen der Elementare. Daleina ist bei weitem nicht die mächtigste der potentiellen Erbinnen der Königin. Doch dann wird ausgerechnet jener Mann ihr Mentor, der die amtierende Königin liebt – und von ihr verraten wurde …

Vertrau nicht dem Feuer, denn es wird dich verbrennen.
Vertrau nicht dem Eis, denn es wird dich erfrieren.
[…]

Es ist ein Kinderlied. Du springst über ein Seil, schneller und immer schneller, und zählst dabei die Geister auf, einen nach dem anderen. Wenn du über das Seil stolperst, dann ist es der zuletzt Genannte, der dich eines Tages töten wird: Feuer, Eis, Wasser, Luft, Erde oder Holz.

Seite 7 (Leseprobe)

Aufmachung

Obschon das deutsche Cover, welches in fester Form weiße Schrift trägt, etwas Mystisches an sich hat und die verwobenen, fast sichtbar wachsenden Zweige einen bedeutenden Aspekt der Handlung aufgreifen, ist das englische Cover im Vergleich überragend. Es ist wie ein Fenster in die Welt des Buches und zeigt skizzenhaft bedeutende Figuren.

Doch ist die veränderte deutsche Karte wesentlich schöner als die des Originals. Beide Titel passen hingegen sehr gut, zumal sie mehrere Bedeutungen verbergen.

Eigene Meinung

Vor längerer Zeit war ich während des Stöberns auf der Verlagsseite auf dieses Buch aufmerksam geworden, doch schon zuvor hatte mich das englische Cover angesprochen, ohne dass ich es in Verbindung mit der deutschen Übersetzung brachte. Ich war schließlich äußerst positiv von dem Buch überrascht, trotzdem mich die Inhaltsbeschreibung zugleich hoffen, aber eben auch bangen ließ.

Daleina lebt in einer Welt, deren Lebensquelle die Geister sind. Jedem Element gehört eine Gruppe von ihnen an, zudem gibt es noch die Geister des Eises und der Bäume. Sie leben im Widerspruch mit sich, wollen zerstören und zugleich erschaffen. Nur die erwählte Königin kann ein Gleichgewicht schaffen. Doch obschon viele Frauen Fähigkeiten bezüglich der Geister besitzen – das Erspüren ihrer Gegenwart oder eine große Affinität zu einer Elementgruppe -, können nur wenige von ihnen diese in der Akademie ausbauen und zu Thronanwärterinnen werden. Als Daleina ein kleines Mädchen ist, wird ihr Dorf auf grausamste Weise von den Geistern zerstört. Es offenbaren sich ihr zu diesem Zeitpunkt Gaben, die ihr die Aufnahme auf eine der Akademien ermöglichen könnten, aber ihre Reise wird schwer sein.

Daleina sah zu, wie sich Risse im Holz ausbreiteten und die Wände hinaufjagdten, die daraufhin zerbrachen wie Eierschalen, während das Haus erbebte. Die Fenster klapperten, und Daleina sah draußen einen Schatten vorbeihuschen. […]

Das Haus erbebte immer heftiger, und Daleina hörte ein Kratzen auf dem Dach, als risse jemand die Schindeln hinunter und zerfetze das Holz. […]

Und dann endlich – nach sehr langer Zeit – herrschte Stille.

Seite 17 – 20 (Leseprobe)

Zu Anfang befürchtete ich, das gänzlich falsche Buch gewählt zu haben, denn entschied sich Sarah Beth Durst für einen Einstieg in die Geschichte, der nur allzu klischeehaft belastet ist. Die Protagonistin wird präsentiert als ein junges Mädchen, geprägt von den schrecklichen Ereignissen ihrer Vergangenheit, hinter welchen sich letztendlich mehr verbirgt als es den Anschein hat. Ein Mädchen, um den Traum kämpfend, an der Akademie aufgenommen zu werden. Ein Mädchen, tiefe Freundschaft im ersten Moment findend und zugleich einer dunklen Rivalin gegenüberstehend. Dies war mein erster Eindruck des Buches. Glücklicherweise betraf dies lediglich die ersten Kapitel, in denen zudem einmal auf anderem Wege in die Erzählung eingestiegen und die Protagonistin Daleina beschrieben wurde: In einem Zeitraffer, der teils zu Verwunderung durch plötzlich neu auftretende Angewohnheiten Daleinas führt, erfährt man einiges über ihre wichtigsten Lebensabschnitte und nicht in einem Rückblick in Form von Erinnerungen oder allgemeinen Einschüben. Dabei entwickelt sich außerdem langsam ein Gefühl für die traumhaft umschriebene Umgebung anderer Natur.

Der Weltenaufbau ist faszinierend und einzigartig, geradezu verzaubernd gestaltet und es überwältigen einen immerwährend die beschriebenen Bilder voller Diversität. Ein Erlebnis für das innere Auge, die eigene Phantasie. Etwas Ungewohntes wird derart dargestellt, dass es auf einmal ganz natürlich und selbstverständlich wirkt, wie beispielsweise das Leben in den Bäumen und Behausungen als auch anderen Gebäuden, die aus der Natur mithilfe der Geister entstanden sind. Verbunden mit den Geistern und dem mit ihnen zusammenhängenden Problem, dass sie stets versuchen die Menschen zu vernichten in ihrem Verlangen nach Zerstörung und gleichzeitig Großartiges erschaffen, hat die Autorin eine innovative Lösung und Erklärung gefunden, was bedeutet, dass sie sie nicht als übermächtige oder zu zahlenmäßige Gegner darstellt, was wiederum bedeuten würde, dass man sie nicht vernichten kann. Der Ursprung der Natur und Pflanzen liegt in ihnen und so zerstören die Menschen ihre eigenen Lebensgrundlagen, wenden sich gegen sie. Ganze Areale sterben oder durchdringt der Tod langsam alles, wenn die Geister schlafen zum Zeitpunkt nach dem Todes der Königin.

Vielleicht war das Verderben, das dieses Dorf heimgesucht hatte, ein einmaliger Ausrutscher gewesen. Vielleicht würde Königin Fara einfach ihre Willensherrschaft über die Schuldigen erneuern, sobald er ihr Bericht erstattet hatte, und der Fall wäre erledigt. Er hoffte, dass der Vorfall nicht darauf hindeutete, dass sich unter der prächtigen Fassade aus Schönheit Fäulnis verbarg.

Seite 35 (Leseprobe)

Zu den reizenden Handlungsorten kommt eine recht untypische Hauptcharakterin, die nicht die Beste ist mit den größten Fähigkeiten, die nicht vor Liebe erblindet und die nicht Sturheit als Hauptzug besitzt. Nein, Daleina ist nicht perfekt, sie hat Selbstzweifel und andere Zweifel allgemein, aber kämpft sie dennoch und dies macht sie umso authentischer. Sie ist eine durchschnittliche Person, die sich dadurch auszeichnet, dass sie hart arbeitet um ihre Ziele zu erreichen und sich auch andersartige Wege sucht. Ich mochte es sehr, wie sie innerhalb ihres Gebietes unorthodoxe Methoden anwendet und das Beste aus den ihr gegebenen Mitteln macht, wobei sie sich den wichtigen Dingen zuwendet und Zusammenarbeit als Lösung ansieht, sich nicht von allen abwendet. Über die Handlung hinweg ist eine deutliche Entwicklung ihrer Person erkennbar und die Darstellung der Entfremdung zwischen ihr und den ihr einst Vertrauten ist schmerzlich schön ebenso wie die Konsequenzen ihres gewählten Vorgehens. Für mich als Leser ist Daleina wunderbar realistisch für diese Lektüre. Neben ihr gibt es einen weiteren wichtigen Träger der Handlung, der im Laufe des Romanes auf die Protagonistin trifft. Auch er konnte mich in seiner Gestaltung überzeugen, wenngleich er keinen derartigen Eindruck wie Daleina bei mir hinterließ. Tiefe lässt sich auch in anderen Figuren finden, ob gut oder böse, wichtig oder nur am Rande stehend. Herausragend ist die tief verwurzelte, beständige Freundschaft, allerdings hat Durst, wenngleich sie von Wichtigkeit ist, nicht das Hauptaugenmerk auf sie gelegt.

Jedoch ist dieses Buch leider von einem für mich entscheidenden Makel gekennzeichnet, der in der allgemeinen Erzählung liegt. Trotz der zuvor positiv beschriebenen Merkmale kann man die deutliche Vorhersehbarkeit nicht leugnen. Auflösungen von belangvollen Wendungen sind schon beim Aufkommen des Problems ersichtlich, wenn man aktiv sowie aufmerksam liest, sodass viele der Handlungsstränge nicht im Verborgenen liegen. Allerdings gibt es auch einen Aspekt, den ich noch positiv hervorheben möchte: trotz der allgemeinen Vorhersehbarkeit ruft zeitweilen die geschickt versteckte Andeutung des Schicksals einer Person, deren Name zu viel verraten wäre, gespannte Erwartungen hervor.

Fazit

Alles in Einem konnte ich diesen Auftakt genießen und dabei in ein schönes neues Universum eintauchen. In manchen Passagen fehlte mir die Geschwindigkeit, verglichen mit sowohl spannenden als auch interessanten Szenen, aber schlussendlich bin ich neugierig auf die Fortsetzung. Ein Grund mag dafür vielleicht das zugleich schreckliche und umwerfende Ende sein, bei welchem sich die Autorin auf einem anderen Pfad bewegt, ohne zu viel zu sagen.


4,5/5 ★


Vielen Dank an den Penhaligon-Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares.

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