Rezension: Die Drei Sonnen | Cixin Liu

Autor: Cixin Liu
Originaltitel: 三体 (zh. Sān tǐ = Trisomie/Drei-Körper)
CN 2008 (Mai)

Erster Band (Trisolaris)
592 Seiten
Verlag: Heyne
Genre: Hard Science Fiction

ISBN: 978-3-453-31716-1
Erschienen: Dezember 2016
Übersetzer: Martina Hasse

Zum Buch

Inhalt

China, Ende der 1960er-Jahre: Während im ganzen Land die Kulturrevolution tobt, beginnt eine kleine Gruppe von Astrophysikern, Politkommissaren und Ingenieuren ein streng geheimes Forschungsprojekt. Ihre Aufgabe: Signale ins All zu senden und noch vor allen anderen Nationen Kontakt mit Außerirdischen aufzunehmen. Fünfzig Jahre später wird diese Vision Wirklichkeit – auf eine so erschreckende, umwälzende und globale Weise, dass dieser Kontakt das Schicksal der Menschheit für immer verändern wird.

Die Menschheit konnte gar kein intuitives Gefühl für Moral entwickeln, genauso wenig wie es möglich war, sich selbst am Schopf in die Höhe zu ziehen und sich daran hinauf ins Weltall zu schwingen. Daher konnte der Impuls für die moralische Erweckung der Menschheit nur von außerhalb der menschlichen Spezies kommen.

Seite 38 (Leseprobe)

Aufmachung

Das Cover ist atemberaubend schön und stellt zudem ein wichtiges Element aus dem Buch dar. Zudem fasst es einzelne vorkommende Elemente zu einem Ganzen zusammen. Dazu passt der Titel wunderbar und verbindet sich mit dem Coverbild. Der deutsche Titel ist zudem auch spannend – ankündigend ohne zu viel zu verraten. Außerdem ist der Abdruck von Originaltiteln in der Chinesischen Sprache ein ansehnliches Detail und gibt es einen Personenverzeichnis mit Hinweisen zur Aussprache von Namen, was ich sehr schätze.

Auch das originale Cover ist wunderschön, doch sieht es eher nach der Entdeckung einer exotischen anderen Welt aus mit vollständiger, nicht im übertragenen Sinne gemeinter Reise, wie man es aus anderen Geschichten des Haupt-Genres kennt.

Eigene Meinung

Es beginnt mit einer einzigen kleinen Handlung.

Seit jeher stellen sich die Menschen die Frage, wie das Aufeinandertreffen mit einer außerirdischen Spezies ausfallen könnte und auf welche Art und Weise dies geschähe, zu welcher Zeit. Anstatt einer plötzlichen Begegnung, zeigt dieses Buch eine Entwicklung über mehrere Jahrzehnte, beginnend zum Ende der 60er Jahre in China. Während der Kulturrevolution in jenem Land, welcher viele Menschen aufgrund ihrer Gedanken und Professionen zu Opfer fallen, gelangt die Tochter eines Professors, Ye Wenjie, als Astrophysikerin zu einem geheimen Projekt, dem Roten Ufer. Anfangs scheint sich die Station nur mit der Auswertung der Daten des größten Radioteleskopes des Landes zu befassen, doch entpuppt sich dessen Funktion als etwas überaus Größeres. Durch Zufall erfährt Ye Wenjie als Erste von einer Antwort auf die in den Weltraum entsendete Nachricht und begeht möglicherweise einen folgeschweren Fehler.

Kann es sein, dass das Verhältnis zwischen der Menschheit und dem Bösen das gleiche ist wie das Verhälnis zwischen dem Ozean und dem Eisberg, der auf ihm schwimmt? Der Eisberg scheint nur deswegen anders zu sein, weil er eine andere Form hat. Aber tatsächlich ist er auch nur ein Teil des riesigen Ozeans.

Seite 37 (Leseprobe)

Die eigentliche Hauptgeschichte beginnt nach dem ersten Teil des Buches mit Blick auf den Nanotechnologen Wang Miao, welcher nach der mysteriösen Aufforderung, seine derzeitige Forschung zu unterbrechen, einen Countdown – auf Fotos oder wie in die Netzhaut der Augen eingebrannt – sieht. Erst als er der Forderung nachkommt, verschwindet dieser. Zur gleichen Zeit haben schon erstaunlich viele Wissenschaftler unerklärlicherweise Selbstmord begangen und standen diese Menschen beinahe alle in Kontakt mit der Organisation Frontiers of Science. Nach einem Besuch bei Ye Wenjie, deren Tochter sich erst kürzlich das Leben nahm, bekommt Wang Miao von ihr die URL zu der Seite http://www.3body.net, die Zugriff auf das VR-Spiel Three-Body gibt. Dieses handelt von einer fiktiven Welt, die an die Geschichte der Erde angelehnt ist, lediglich mit drei Sonnen und dem daraus entstehenden Dreikörperproblem, einem bisher noch nicht gelösten Problem, das die Zivilisation in dem Spiel immer wieder dem Untergang weiht und somit stabile und chaotische Zeitalter schafft. Ziel des Spielers ist es, das Problem zu lösen und begleitet man als Leser interessiert seinen Weg.

Während das Buch voranschreitet, sich aus dem Geflecht der Gegenwart und Vergangenheit zu einer komplexen Form zusammenfügt, durchläuft man erschreckende und den Atem nehmende Gefühle, Zustände. Es ist erstaunlich, wie tief das Buch einen selbst in das Leben von Wang Miao zieht und man ähnlich wie er selbst das große Ganze erfasst. Doch leider verliert sich dieser mit dem Buch verbundene Zustand ab und zu, aufgrund von langatmigen und teils absurden Ausführungen. Außerdem fehlt den Charakteren schließlich dennoch eine Entwicklung.

Cixin Liu erzählt den Anfang dieser Trilogie mit vielen wissenschaftlichen Details und Ausführungen, Gedanken, die ich persönlich äußerst interessant finde. Trotz dass ich nicht alles verstand, doch Teile im Anhang zur Erklärung nachlesen konnte, ist es ein schöner Charakterzug des Buches, wenngleich sich die Geschichte in umfangreichen Ausführungen verlieren kann, folgt man ihr nicht gänzlich.

Es ist durchaus möglich, dass manches durch die komplizierte Übersetzung aus dem Chinesischen ins Deutsche verloren ging und Anspielungen nicht verstanden werden, da es sich nicht um ein typisch westliches Buch handelt. Des Weiteren schaffen die speziellen ostasiatischen Namen für mich oftmals Verwirrung, weshalb ich froh über das Verzeichnis am Anfang bin.

Fazit

Dieses Buch ist ein Science-Fiction-Roman, der wahrhaftig viel technische Tiefe besitzt und sich kritisch mit der Gesellschaft auseinander setzt. Es ist interessant, dass einmal der wahre Anfang eines großen Ereignisses bis ins Detail geschildert wird, doch ging durch die Länge für mich die Spannung verloren. Und dennoch interessiert mich die Fortsetzung sehr, denn stellen sich mir noch viele Fragen. Gibt es eine Lösung? Werden Jahre vergehen? Dieses Buch gibt einem keine aktionreichen Szenen und entsteht keine gewohnt epische Welt, aber dafür zeigt es tatsächlich wissenschaftliche Fiktion, die an sich absolut lesenswert ist.


3,5/5 ★


Vielen Dank an den Heyne-Verlag für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplares.

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