Rezension: Leviathan erwacht | James S. A. Corey

Autor: James S. A. Corey
Originaltitel: Leviathan Wakes (engl.)
USA 2011 (Juni)

Erster Band (Expanse-Reihe)
656 Seiten
Verlag: Heyne
Genre: Space Opera (Sci-Fi)

ISBN: 978-3-453-52931-1
Erschienen: April 2012 (D)
Übersetzer: Jürgen Langowski

Zum Buch

Inhalt

Im Weltall gibt es kein Gesetz …

Die Menschheit hat das Sonnensystem kolonisiert. Auf dem Mond, dem Mars, im Asteroidengürtel und noch darüber hinaus gibt es Stationen und werden Rohstoffe abgebaut. Doch die Sterne sind den Menschen bisher verwehrt geblieben. Als der Kapitän eines kleinen Minenschiffs ein havariertes Schiff aufbringt, ahnt er nicht, welch gefährliches Geheimnis er in Händen hält – ein Geheimnis, das die Zukunft der ganzen menschlichen Zivilisation für immer verändern wird.

Hundertfünfzig Jahre früher, als der engstirnige Konflikt zwischen Erde und Mars fast zu einem Krieg ausgeartet wäre, hatte sich der Asteroidengürtel weit entfernt am Horizont befunden. […] Dann hatte Solomon Epstein einen leicht veränderten Fusionsantrieb konstruiert, auf seine Dreimannjacht gepflanzt und ihn eingeschaltet.

Seite 15 (Leseprobe)

Aufmachung

Überzeugen können hier sowohl das englische als auch das deutsche Cover – im Deutschen gibt es nun eine der englischen Edition ähnliche Aufmachung –, denn beide passen gut zum Inhalt des Buches, wobei ersteres meiner Meinung nach mehr der Atmosphäre der Handlungsorte entspricht und eindrucksvoller ist.

Der Titel ist in vielerlei Hinsicht wundervoll, wenn man die verschiedenen Verwendungen der Bezeichnung Leviathan betrachtet. Vor allem empfinde ich hierbei Hobbes Darstellung des Menschenbildes als eine interessante, mögliche Parallele zu diesem ersten Band.

Eigene Meinung

Heutzutage gibt es dutzende Science-Fiction Bücher mit Szenarien einer dystopischen Zukunft. Nicht wenige von ihnen werden filmisch umgesetzt, wie nun auch dieses Buch und so nahm ich es schließlich zur Hand, zumal es schon länger mein Interesse geweckt hatte.

Die Menschheit hat in der Zukunft das Sonnensystem kolonisiert, doch die Sterne liegen noch außerhalb ihrer Reichweite. Während Jim Holden, der XO eines Eisfrachters, die Zerstörung seines Schiffes miterlebt, ausgelöst durch einen mysteriösen Hilferuf eines anderen Schiffes, ist Detective Miller auf der Suche nach einem Mädchen, bis er von diesem geheimen Auftrag abgezogen wird. Holden und Miller sind beide auf etwas Größeres gestoßen, das sie miteinander verbindet. Etwas Größeres, das das Ende des menschlichen Lebens bedeuten könnte.

So etwas wie den Schlamm, der um den Reaktor festgebacken war, hatte sie noch nie gesehen. Durch die Masse zogen sich Schläuche, die an Adern oder Luftröhren erinnerten. Einige Teile pulsierten. Also war es kein Schlamm.

Es lebte.

Seite 13 (Leseprobe)

Schon von Beginn an konnte mich das Autorenpaar James S.A. Corey mit seiner Welt überzeugen. Was ich in einem zuvor gelesenen Buch suchte, fand ich hier. Man steigt in eine faszinierende Welt ein, in eine uns noch unbekannte Welt. Es ist Stoff, der den interessierten Leser süchtig macht mit bildgewaltigen Beschreibungen und geschickt und ganz natürlich in die allgemeine Erzählung eingebundenen Erklärungen. Die Handlungsorte wirkten auf mich atemberaubend und entwickelte ich eine allumfassende Faszination zu diesen komplexen Bildern des Science-Fiction. Die von Corey geschaffene Zukunft zeigt die mögliche Entwicklung unserer Gesellschaft, gegliedert und gespalten in mannigfaltigen Kulturen mit Menschen von interessantem Aussehen, mit verzweigten und gefährlichen politischen Verhältnissen, mit Machtspielen und Intrigen. Dabei erzählen sie ihre Geschichte mittels einer Mischung aus Klarheiten und Unklarheiten, dem Offensichtlichen verbunden mit dunklen Geheimnissen, die tiefgehende Spannung hervorbringen.

Neben der gut durchdachten Geschichte, die den Leser mitreißt und sich auf verschiedensten Ebenen mit den Hauptproblemen befasst, beispielsweise den vielen moralischen Fragen bezüglich der Lösung der drohenden Gefahr, haben auch die Charaktere eine große Wirkung. Obschon sie teils recht durchschnittlich sind, differenzieren sie sich untereinander und stört man sich nicht an ihnen. Über das Buch hinweg verändern sie sich auf harmonische Art und Weise. Hierbei haben ihre Erlebnisse Einfluss auf ihr Leben, sodass man eine tiefere Verbundenheit mit ihnen spürt und sie realistischer erscheinen. Die Diversität der handelnden Personen wird vor allem durch die Verschiedenheit ihrer geistigen Zustände erreicht, die entscheidend für ihre Handlungen sind. Doch indes man die Geschichte aus den wechselnden Blickwinkeln Holdens und Millers erlebt und sie sich dadurch als die Hauptpersonen herausbilden, gelangt man wesentlich tiefer in die Gefühlswelt von Miller im Laufe der Erzählung. Im Allgemeinen ist man den Charakteren manchmal sehr nah und dann wieder sehr fern, was partiell der heterogenen Informationsmenge und der damit verbundenen Tiefe zugrunde liegt. Für einen Sekundenbruchteil kann auch der Wechsel zwischen Miller und Holden verwirrend sein, insofern sie sich am gleichen Ort befinden.

Fazit

Resümierend war es ein schnell zu lesendes Buch, geschrieben in einem flüssigen Stil. Manches wurde möglicherweise zu schnell herausgearbeitet, wie die Lösung eines schweren Konflikts, wohingegen das Unübersehbare lange im Verborgenen bleibt, jedoch sah man durch die Spannung und das Interesse an der Komplexität der dargestellten Welt, ihrer Einzigartigkeit darüber hinweg. Corey gab mit diesem ersten Band einen vortrefflichen Einstieg in seine Science-Fiction-Reihe und ich blicke mit gespannten Erwartungen dem nächsten Teil sowie der filmischen Umsetzung der Serie entgegen.


4,5/5 ★

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