Leseupdate: Juni 2021

Manchmal bleiben die begonnen Bücher für eine Ewigkeit begonnen und nie beendet.

Und Hörbücher sind doch eine sehr schöne Sache, die ich stets zu vergessen scheine.


Kleine Gefallen
von Jim Butcher

Zehnter Band (Dresden Files)

Hörbuch (ungekürzt, 15 h 56 min)
Übersetzt von Dominik Henrici

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Weshalb mir erst nach vielen Stunden, in welchen ich wunderbarerweise ein Hörbuch hätte hören können, der Gedanke diesbezüglich gekommen ist, bleibt mir ein Rätsel (mir bleibt wohl vieles ein Rätsel). Vielleicht mag es an den Aspekten, dass ich einerseits noch deutsche Hörbücher präferiere und zumeist eine Liste mit möglicherweise etwas komplexeren Büchern für die kommende Zeit herannehme, die dadurch unpassend als Hörbuch wären, liegen, aufgrund welcher ich nicht recht wusste, was ich hatte hören wollen. Bis mir schließlich Harry Dresden in den Sinn gekommen ist. Eine Reihe mit bisher perfekt leichteren Bänden.

Der zehnte Band ist wie auch seine Vorgänger oftmals unterhaltsam und leicht zu hören als auch zu verfolgen. Er trägt den gleichen Aufbau mit einer finalen Schlacht und ist dabei genau das, was ich zu Beginn erwartet hatte. Doch leider meine ich, dass die Figuren nicht gewachsen sind, obschon Beziehungen entstanden und sie viel durchstanden haben. Möglicherweise liegt dies dem Fakt zugrunde, dass schlussendlich alles gut geht. Zudem lernt man nicht direkt eine wichtige, neue Figur kennen. Teils habe ich Freunde an diesem Teil empfunden und ist er per se nicht schlecht. Dennoch kann ich nicht behauten, dass er mich bereichert oder mir etwas gegeben habe. Im Nachhinein stehe ich der Lektüre überaus neutral gegenüber und frage mich in Teilen, weshalb ich sie gelesen beziehungsweise gehört habe, was aber durchaus an den von mir zuvor gelesenen Büchern liegen mag.

Dennoch möchte ich mit der Reihe fortfahren, in der Hoffnung, dass der nächste Band weniger nichtssagend ist, weniger flach. Mir hat das Ermitteln, das Herausfinden von verborgenen Geheimnissen gefehlt, welches seit dem Beginn die Reihe wie ein roter Faden durchzogen hat. Ich wünsche mir mehr als einen Verlauf mit einem groß anmutenden Anfang, der in einer epischen Schlacht und schlussends einer allzu leichten und ernüchternden Auflösung endet. Zumindest ist es der perfekte Anhaltspunkt, wenn man den vorherigen Band vor geraumer Zeit gelesen hat, da genügend erklärt wird. An sich mag meine Meinung sehr negativ klingen, doch gab es durchaus angenehme Momente und kann ich weder sagen, dass ich begeistert, noch enttäuscht von dieser Fortsetzung bin.

The Lies of Locke Lamora
von Scott Lynch

Erster Band (Gentleman Bastard)

E-Book (548 Seiten)

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Wie lange habe ich dieses Buch vor mir her geschoben? Nun, dies ist das Jahr der Wagnisse. Dies ist das Jahr, in welchem ich endlich nach all den Büchern greife, die ich mittlerweile als ein Muss für Leser des SFF ansehe. Assassin’s Apprentice von Robin Hobb hat mir gezeigt, dass tatsächlich etwas an den Worten liegt, die bezüglich der Must-Reads im SFF geäußert werden, dass all die Listen mit herausragenden Werken ernst zu nehmen sein können. Folglich waren meine Erwartungen bezüglich The Lies of Locke Lamora dezent hoch, überwältigend, trügerisch.

An sich ist die Premisse dieses Auftaktes sehr interessant und verspricht der grundlegende Aufbau viel. Die ersten Seiten haben mich begeistert und fühlten sich meine Erwartungen bestätigt. Die wörtliche Rede gibt Charakteren mittels kleinster Nuancen eine differenzierende Persönlichkeit, der Schreibstil ist wunderbar zu lesen, die Geschichte rund um Locke Lamora ist faszinierend und mitreißend. Und dann beginnt alles langsam zu zerfallen. Das Worldbuilding lässt nach, zu viele Fragen und Ungereimtheiten oder schlichtweg kleine Mackel, die anfängliche Beschreibungen oder Handlungen anzweifeln lassen, kommen auf. Es wird… generisch.

Dennoch hatte ich Freude am Lesen. Zumindest zumeist, wenn ich nicht zu sehr über gewisse Dinge nachgedacht habe. Hätte ich weniger hohe Erwartungen gehabt, wesentlich geringere, so hätte ich das Buch womöglich besser aufgenommen. So frage ich mich nun nur, was ich übersehen habe, weshalb ich nicht die gleiche Begeisterung empfinde. Man kann es als ein gutes Buch ansehen, das interessante und originelle Ideen trägt und in einem schönen Schreibstil verfasst ist. Defintiv möchte ich die Reihe fortsetzen, denn obwohl man den Auftakt sogar aus meiner Sicht als Einzelband ansehen könnte, so gibt es genügend Möglichkeiten für einen Fortgang und empfinde ich Interesse, wie dieser verlaufen wird, zumal es sich bei The Lies of Locke Lamora um den Debütroman des Autors handelt, welcher viel Potential trägt.

Ein Kommentar sei zu diesem Buch noch zu äußern: Zuvor habe ich stets die deutsche Übersetzung von A Court of Thorns and Roses als Beispiel für erschreckend schlechte Übersetzungen genommen, als den Grund lieber nur das englische Original zu lesen. Tja, die deutsche Version Die Lügen des Locke Lamora ist nun mein neues Vorzeigebuch, den oh ha, was ist da passiert? Zu einem Buch gehört nicht nur der Inhalt, sondern auch wie dieser überbracht wird, ergo die Anreihung der verwendeten Worte, und hierbei ist der Schreibstil des Autors vollkommen verschwunden. Es ist schwer einen Satz zu finden, bei dem kein Wort fehlt oder eines hinzugedichtet wurde. Wenn „A place … a family.“ mit „Von nun an ist dies eure Heimstatt und wir alle sind eine große Familie!“ übersetzt wird, schwingen sich meine Gefühle in derart drastische Höhen der Fassungslosigkeit und des Entsetzens, dass ich keine Worte mehr finden kann. Und dies ist kein dramatischer Einzelfall. Was ist hier passiert? Muss man tatsächlich stets die deutsche Übersetzung mit der Originalfassung vergleichen, bevor man die deutsche Version liest? Wie viele Bücher mochte ich wohl aufgrund der Übersetzung nicht? Nope, einfach nur Nope. Dieses Thema könnte einen ganzen Rantbeitrag vertragen.

Mister Impossible
von Maggie Stiefvater

Zweiter Band (The Dreamer Trilogy)

Hörbuch (ungekürzt, 10 h 44 min)

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Endlich hatte ich ein Buch gefunden, welches ich auf Englisch hatte hören können, nachdem ich mich nur langsam an Hörbücher dieser Sprache heranwage. Neben der Entscheidung nach dem richtigen Buch, welches sehr wahrscheinlich kein Zurückblättern notwendig macht und zudem eine sinnvolle Wahl ist, gestaltet sich auch die Wahl des Sprechers als komplizierter als es bisher bei deutschen Hörbüchern gewesen ist. Die Art des Sprechens ist oftmals eine andere und zudem muss ich mich des Öfteren an die sich unterscheidende Tonqualität gewöhnen.

Schließlich kam mir die kürzlich neu erschienen Fortsetzung von Call Down The Hawk in den Sinn. Obschon ich den ersten Band gewissermaßen mochte, so stand der zweite Teil nicht unbedingt ganz oben auf meiner Liste, aber war ich doch interessiert genug und hörte sich der Vorleser angenehm an.

Schnell habe ich mich wieder an die handelnden Figuren erinnert, zumal die gleichen Protagonisten und sozusagen Antagonisten bestehen bleiben, während keine neuen, wichtigen Charaktere eingeführt werden. Im Fall der ursprünglichen Reihe The Raven Cycle waren für mich die Charaktere und ihre Beziehungen untereinander entscheidend, wobei natürlich die Haupthandlung ebenfalls ihren Charme besitzt. Für Mister Impossible muss ich jedoch überweigend sagen, dass mich die Figuren mittlerweile eher wenig kümmern. Lediglich das Ende hat mich mit seinen Offenbarungen und Entscheidung mit leichter Begeisterung erfüllt, wohingegen für mich das erste Drittel, vielleicht sogar mehr als ein Drittel, beinahe antiklimaktisch wirkt, bis dann die Ereignisse an Fahrt aufnehmen. Und mich dennoch nicht ansprechen – außer, wie erwähnt, das Ende. Vielleicht mag es an der Länge des Buches liegen, aber irgendwie ist durchaus wenig und viel zugleich geschehen, ohne dabei jedoch von aktionreicher Szene zur nächsten zu springen, ohne jeden Moment mit größter Bedetung zu füllen. Dieses Mal konnte ich schlichtweg keine Verbindung zu den Figuren aufbauen (was absolut mehr an mir liegt), trotz dass sie zumindest gewachsen sind und sich verändert haben.

Jedoch weiterhin schön sind die tieferen Ebenen mit ihren philosophischen und existentiellen Fragen. Es wird Kritik an dem Schaffen des Menschen in Verbindung mit der Natur ausgeübt, indem die Verbindung zwischen den Leylinien und den Einflüsse der Menschen weiterhin Bedeutung findet und alles nach einem Ausgleich strebt, einen Preis besitzt, was dem Buch einen charakteristischen Klang gibt. Zudem zeigt sich, dass Zeiten des Glücks, zwischenmenschliche Beziehungen und eigene Überzeugungen temporär und durchaus veränderlich sind. Außerdem ist Stiefvaters Idee bezüglich des Träumens stets origniell und faszinierend. Ein weiterer äußerst positiver Aspekt ist ihr geschickter Umgang mit der Beschreibung von Dingen oder Gefühlen, die man nicht beschreiben kann. Sie schafft es, das Ungreifbare, das Unbeschreibliche derartig zu beschreiben, dass es plötzlich greifbar wirkt und vorstellbar ist.

Grundsätzlich ist Maggie Stiefvater eine jener Autorinnen, nach denen ich immer wieder greifen würde, da ihre Bücher etwas Besonderes haben und im Bereich der Jugendbücher beziehungsweise YA die defitniv besseren Vertreter sind. Es ist erstaunlich, dass ihre Werke nie meine liebsten Bücher sind, sie mir aber auf magische Art in Erinnerung bleiben.

Bei dem Hörbuch handelt es sich übrigens um ein sehr angenehm zu hörendes und ist das von ihr geschriebene, begleitende Stück There Are Not Two of You zu Anfang und Beginn traumhaft passend.


Zusammenfassend ist es erneut ein Monat mit wenigen Büchern gewesen – zumindest für mich wenige Bücher, wenn man bedenkt wie viele andere Werke ich lesen möchte und wie viel Freude ich doch an anderen Welten und der Literatur an sich empfinde.

Shadow of the Gods von John Gwynne verschiebt sich leider in den Juli, wo es auf das ebenfalls begonnene Buch Black Sun Rising von C. S. Friedman und bedauerlicherweise weiterhin The Name of the Wind von Patrick Rothfuss trifft. Mal sehen, wie sich der Juli der Prüfungszeit bezüglich des Lesens entwickelt.

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