Rezension: Die Begabte | Trudi Canavan

Autor: Trudi Canavan
Originaltitel: Thief’s Magic
USA

Erster Band (Millennium’s Rule)
672 Seiten
Verlag: Blanvalet
Genre: Low Fantasy

ISBN: 978-3-7341-6073-8
Erschienen: November 2014 (dt.)
Übersetzer: Michaela Link

Zum Buch

Inhalt

Der junge Archäologe Tyen entdeckt ein magisches Buch, in dem seit vielen Jahrhunderten das Bewusstsein einer Frau gefangen ist: Pergama war einst eine talentierte Buchbinderin, bis ein mächtiger Magier sie mit einem Zauber belegte und dazu verfluchte, für alle Zeit das Wissen der Welt in sich aufzunehmen. Und so weiß Pergama, dass Tyens Heimat und allen, die ihm am Herzen liegen, eine schreckliche Katastrophe droht. Allerdings kann sie Tyen nur helfen, wenn es ihm gelingt, den Fluch des Buches zu brechen. Und tatsächlich hat Tyen keinen dringlicheren Wunsch, als Pergama zu befreien – denn ihr gehört längst sein Herz.

Die starren, verwelkten Finger des Leichnams gaben sein Eigentum nur widerstrebend her. Es kam Tyen respektlos vor, es dem Griff des Toten zu entwinden […]
Noch wusste er nicht, was er gefunden hatte; das Material, in das der geheimnisvolle Gegenstand eingewickelt war, schien ebenso trocken und spröde zu sein wie der Bewohner des Grabes […]
Kein Schatz lag in seinen Händen. Nur ein Buch.

Seiten 7-8

Aufmachung

Beide Aufmachungen (deutsch als auch englisch) sind recht schön und auch passend gehalten, wobei die Frau auf ihnen nur Pergama in ihrer ursprünglichen Gestalt sein kann, da Rielle anscheinend eine dunklere Hautfarbe besitzen soll. Nur ist es schade, dass die Geschichte somit nur einseitig gezeigt wird. Der Titel hingegen lässt Interpretationsmöglichkeiten offen. Natürlich kann es auch möglich sein, dass Rielles Geschichte die Vorgeschichte zu Pergama ist. Man wird es wohl sehen.

Ein großes Lob an den Verlag muss ich zu der deutschen Klappenbroschurausgabe äußern, da diese unglaublich faszinierende Einzelheiten besitzt im Gegensatz zu der gebundenen Ausgabe, die das komplexe Wesen der Magie widerspiegeln.

Eigene Meinung

Dieses Buch war eines jener, die man lediglich beenden möchte und ist dies definitiv kein gutes Zeichen.

Eigentlich kann man das Buch nicht als „ein“ Buch bezeichnen, sondern werden zwei beinahe gänzlich unterschiedliche Geschichten erzählt und ließe es sich ohne weiteres in zwei Bände teilen, wobei ich eines von beiden niemals in die Hand genommen hätte.

Tyen starrte auf die Worte. Ein Frösteln überlief ihn, doch gleichzeitig verspürte er einen vertrauten Kitzel. Magie konnte bisweilen verstörend sein. Sie war oft unerklärlich. Es gefiel ihm, dass nicht alles an ihr verstanden wurde.

Seite 9

Als Erstes wird man in die Welt von Tyen Eisenschmelzer (man hätte den englischen Namen ruhig beibehalten können) eingeführt, welche mit voller Magie gefüllt ist, die ich so bisher noch nie beschrieben gesehen habe, und einem Hauch Steampunk. Als Student findet er auf einer Expedition ein magisches Buch, Pergama. Dieses war einst eine Frau und ist nun von hohem Wert durch ihr Wissen sowie ihre außergewöhnlichen Kräfte, wodurch die Geschichte ins Laufen gerät.

Nach fünf Kapiteln macht man Bekanntschaft mit Rielle aus einer anderen magischen Welt, die vollkommen anders als die von Tyen ist. Obschon sie Schwärze erkennen kann, entstehend nach dem Benutzen von Magie, ist es ihr dennoch nicht erlaubt zu zaubern, sondern ist dies nur den Priestern vorbehalten. Durch die Liebe begeht sie jedoch einen folgenschweren Fehler.

An sich wäre die Verknüpfung zweier Geschichten sehr faszinierend und wird teils in anderen Büchern angewandt. Hierbei ist es jedoch so, dass beide Geschichten zum Schluss nicht zusammengeführt werden, sondern weiterhin alleinstehend sind, wobei sich dies in nächsten Band eventuell ändern könnte. Außer der Magie haben sie vorerst keine Gemeinsamkeiten. Sie sind viel zu unterschiedlich. Am liebsten hätte ich nach wenigen Seiten jene Kapitel von Rielle einfach übersprungen. Hinzu kommen auch schlechte Übergänge zwischen den einzelnen Teilen. Nicht nur sind die Abschnitte für einen Charakter anfangs wesentlich zu lang, sodass man Teile des jeweils anderen vergisst, als würde man zwei Bücher hintereinander gleichzeitig lesen, sondern werden Sprünge in der Handlung gemacht. Sobald eine Situation augenscheinlich kompliziert wird, wird sie nicht ausformuliert. Wenn man Glück hat, bekommt man eine kleine Zusammenfassung. Für mich ist hierbei das größte Problem, nicht mehr genau zu wissen, was nun geschehen und wer wer ist, zumindest am Anfang als die einzelnen Teile noch sehr lang sind. Gegen Ende hin verkürzen sie sich immer weiter, bis Rielle und Tyen gemeinsam einen Teil bilden.

Ein weiteres Hindernis in diesem Buch sind die unterschiedlichen Genres der „zwei“ Bücher. Während es sich bei Tyen um eine einsteigende Abenteuer-High-Fantasy-Mischung handelt, liest man beinahe eine reine Liebesgeschichte bei Rielle, die nur wenige Elemente der Magie aufgreift. Nach nicht allzu langer Zeit platzt jedoch die schöne Idee der Magie und empfand ich die Welt, die Handlung, die Charaktere etc. rein oberflächlich. Das Interesse an allem ging für mich verloren, denn ist dieses Buch ohne richtige Tiefe. Die Handlungen geschehen, aber bei Tyen beispielsweise immer im gleichen Verlauf, sodass man ein andauerndes Auf und Ab ohne große Unterschiede hat. Mit der Zeit treten recht viele Wiederholungen auf und lassen sich mehr Logikfehler finden.

Bist du bei Bewusstsein?
Ja.
Du kannst meine Gedanken hören?
Ja, aber nur wenn du mich berührst. Ohne die Berührung eines lebenden Menschen bin ich blind und taub, gefangen in der Dunkelheit ohne jedes Zeitgefühl. Ich schlafe nicht einmal. Bin nicht ganz tot. Die Jahre meines Lebens gleiten vorbei – vergeudet.

Seite 10

Beide Protagonisten sind eher schwammig und äußerst naiv. Ich kann nicht einmal sagen, wie alt sie sind, um ihr Handeln recht beurteilen zu können, ob es typisch für eine der Welten ist. Während Tyen zu manchen Zeiten interessant ist, wenngleich auch nur mit einer beschriebenen, aber nicht spürbaren Entwicklung, ist Rielle in ihrer kitschigen Liebesgeschichte unglaublich vorhersehbar, unpassend, nervend und in sich widersprüchlich. Schon recht früh bereiteten mir ihre Kapitel Unwohlsein, da es (kurz gesagt) schlecht geschrieben ist. Es ist unbegreiflich, weshalb die Autorin zum Ende hin noch solche Wege hatte einschlagen müssen. Ich fragte mich nur noch: „Ernsthaft?“. Diesen Gedanken trug ich auch bei den Vorstellungen in beiden Welten, dass das männliche Geschlecht besser als das weibliche ist. Dieses Bild wird derart klischeehaft wendet und dabei standen Trudi Canavan in den tausenden Welten alle Türen und Möglichkeiten offen.

Zum Schluss kann auch der Schreibstil nicht überzeugen. Es fehlen die meisten Beschreibungen von Personen oder werden diese anhand von nicht gegebenen Informationen gemacht, zum Beispiel ist jemand größer als Tyen, doch kennt man nicht einmal dessen Größe. Nur manche Beschreibungen werden vollzogen, die jedoch beispielsweise bei Izare, Rielles Liebhaber, zu Verwirrungen führen, denn wird er anfangs als ein Priester eingeführt und später heißt es, er sei ein Künstler. Hierbei handelt es sich auch nicht um eine Stelle, an der ich mich verlas. Weiterhin sind Umschreibungen von Orten oder Gegenständen bis ins Detail vorhanden, aber sind sie dennoch nicht eindeutig. Wie ein Luftwagen aussieht, ist für mich immer noch unklar, ebenso manche Orte. Es entstehen Skizzen und keine vollständigen Bilder. Für ein besseres Verständnis wäre auch eine Karte definitiv hilfreich gewesen.

Fazit

Alles in einem war ich zu Beginn von dem Buch fasziniert, aber sobald manche Makel aufgefallen sind, konnte man diese nicht mehr ignorieren und es stellte sich in mir nur der Wunsch ein, möglichst bald das Buch zum Schluss zu bringen. Hiermit hat mich Trudi Canavan nicht überzeugt, obschon es interessante Ansätze für die Fortsetzung und allgemein ein vielseitiges Konzept der tausend Welten gibt.


2/5 ★


Dies ist eine Rezension, welche etwas modifiziert von meinem alten Blog übernommen wurde. Bei dem besprochenen Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, wofür ich dem Blanvalet-Verlag vielmals danke.

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